Freitag, 11. april 2008
Es ist interessant, wie gelähmt man sich vorkommt, drei Tage, bevor man mit der Unterschrift unter die Einschreibungsunterlagen seine Seele dem Vorklinikmoloch ein letztes Mal verkauft, auf dass sie im Tartarus des Prüfungswahns untergehe.
Und ich stelle mir wieder die Frage: bist du vorbereitet? Die Antwort lautet, wie immer vor den praktischen Kursen: Keine Ahnung. Wie soll man auf den Zufall vorbereitet sein - den letztlich bestimmt allein der den Erfolg oder Misserfolg, was die Erynnen sich da wieder zusammenspinnen weiß man ja vorher nicht. Da tröstet auch die Vorstellung nicht, dass ja in einem parallelen Universum der Kurs auf jeden Fall bestanden wird. Immerhin zählt das hier und jetzt.
Und obwohl müde, hab ich mal ein wenig gerechnet, um zu sehen, was eigentlich so an Arbeit pro Woche auf mich und die Anderen zu kommt:
Da wäre die reguläre Arbeitszeit, Montag-Mittwoch 8:00-17:00, Donnerstag - aus welchen Gründen auch immer - von 08:30-17:00, Freitag dann humanerweise von 8:00-12:00. Dazu kommen Verzögerungen durch die Putzdienste und dann noch die gut alte Frage des Tages, die nochmal meist eine Stunde extra bedeutet. Rechnet man die Mittagspause ein, die man ja auch an der Uni herumhängt, sind das also 40 Stunden pro Woche, davon 36 reine Arbeits- und Vorlesungszeit. Igitt. Und die Gewerkschaften heulen bei 38h...
Dann kommt natürlich der Lernstoff hinzu. Das sind einmal 240 Seiten zahnmedizinische Propädeutik im Lehmann, gut 350 Seiten Werkstoffkunde, nochmal 200 Seiten Prothetik und ein paar Broschüren, die gelesen und gelernt werden wollen. Also in etwa 800 Seiten, das geht gottseidank. Auf mein persönliches Lerntempo (etwa 5-6 Seiten/Stunde) bezogen und bei 3maligem Wiederholen macht das rund 450 Lernstunden; ausgenommen ist der Tag vor der Frage des Tages, da wird der komplette relevante Stoff wiederholt, anders gehts ja meist leider nicht. So, das Semester hat 15 Wochen, die Vorlesungen enden allerdings gut 3 Wochen vor Ende, dann ist spätestens der Stoff durch, das heißt, dass die 450 Stunden auf etwa 12 Wochen verteilt werden müssen. Wir enden also bei 37,5h Lernerei pro Woche. Nochmal: Igitt!
Ok, gehört eben dazu und ist eher standard im Studium, stimmt schon, aber trotzdem nervig, wenn man den ganzen Tag an der Uni hockt - es gäbe sooo viel zu tun.
Beispielsweise will man irgendwann noch Sport machen. Fernsehen. Ein Leben haben! Das wird wohl wieder schwierig. Aber ohne Zeitdruck und Stress wäre das Leben ja auch langweilig irgendwie.
Ein Positives hat das Wiederholen: Man weiß, welches Material man braucht und kann schon einmal aufstocken, bevor die Wartezeiten im Dentalhandel die 2-Stunden-Marke überschreiten. Wenn man nicht die Hälfte vergisst wie letzte Woche, natürlich. Aber dank Liste sollte eigentlich alles da sein: Polierer, Matrizenbandhalter, Zähne..
Man hat ja noch nicht genug unnützes Werkzeug, die man nie wieder brauchen wird.
Überhaupt nervt vor allem, dass man nun den ganzen Kram, der sich hier stapelt, wieder in die Klinik schleppen muss. Das sind gefühlte 7 Tüten und 20kg Material. Für die Studiengebühren, die hier geblecht werden, könnte das eigentlich mal wer abholen. Und dann dahin fahren. Und einräumen! Überhaupt könnte sich mal jemand an meiner Stelle diesen Kurs antun.
Ich hör derweil ein paar Germanistikvorlesungen und erfreue mich eines geisteswissenschaftlichen Lebens. Mit mehr Denk-, aber weniger Zeitdruck. Und gehe ins Schwimmbad, anstatt schwitzend im Labor zu sitzen. Wie surreal und ätzend. Aber so kommt man sich zumindest vor, als hätte man im Semester wirklich etwas geleistet.
Wenigstens das.
von aeskulap - veröffentlicht in: Phantom I
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Dienstag, 8. april 2008

Es ist zum Händezusammenschlagen. Über dem Kopf, natürlich, nicht klatschend vorm Körper - gerade hab ich wieder einmal, und ich rate hiermit jedem davon ab, MTV eingeschaltet, und natürlich gerade eine der Perlen des neudeutschen Gangsterraps. 
Bushido, den man ja im Vergleich zu dem, was seit Aggro noch so auf den Bühnen herumhüpft, schon fast als Poeten bezeichnen muss.
Das sagt eigentlich schon alles über das Niveau dessen, was sich heute HipHop nennt - das war allerdings mal anders. Früher, das war eine bessere Zeit, kein Gangsterrap, kein Ich ficke deine Mutter und danach grill ich sie wie Hähnchen-Niveau, sondern ein Ringen um den besten Flow, die netteste Geschichte, die derbsten Styles. Damals wurde der deutsche Hiphop vom guten alten Hamburg und Stuttgart dominiert; Eimsbush, Mongo-Cligge, die Kolchose in 0711 bestimmten das geschehen, und da Hiphop erst langsam groß wurde und Profit noch nicht im Mittelpunkt stand, ging man freundschaftlich miteinander um. In krassem Gegensatz zu heute, wo ja Gewalt im Hiphop zum Alltag zu gehören scheint.
Um die richtigen Anfänge komplett mitbekommen zu haben, war ich damals zu jung, vielleicht war das auch gut so, denn so war meine erste eigene Hiphopplatte keine Geringere als "Bambule" von den Beginnern - welchen besseren Einstieg könnte man sich vorstellen?
Überhaupt reihte sich damals ein großes Album an das andere, da kamen EinsZwo mit ihrem 
Gefährlichen Halbwissen, Freundeskreis, die vorher schon erfolgreich den Kreis quadriert hatten,
brachten mit Esperanto eine der Platten, ohne die ein Sommer überhaupt nicht mehr denkbar wäre, Dynamite Deluxe warfen ihr Deluxe Soundsystem auf den Markt, und man hoffte, es würde ewig so weitergehen.
Für eine Weile tat es das auch; Blumentopf, Massive Töne, Afrob, die Sterne, Deichkind - es gab viel zu hören damals.
Doch dann schwappte der Gangsterrap erfolgreich über nach Deutschland, und gegen die agressiven neuen MCs schien sich die alte Skill-Brigade nicht behaupten zu können; das Bo, definitiv das schnellste Mundwerk, das Hamburg zu bieten hat, bewies mit seinem "türlich, türlich" damals schon, dass die Fans nicht mehr Geschichten a la "Omi von oben" hören wollten, sondern dass man nicht mehr denken, sondern feiern wollte. Und das geht natürlich schlecht, wenn beispielsweise Curse nebenher über die Armut in der dritten Welt erzählt.
Heute sind sie rar geworden, die guten Texte, die nicht ins Mikrofon brüllende, ruhige MC-Stimme, die etwas anderes zu erzählen hat als "ich will reich werden, auch wenn ich dich erschießen muss, das läuft bei uns im Ghetto eben so"; ab und zu regen sie sich nochmal, da bringen Dendemann und Max Herre ihre Solodebüts, da bringt Blumentopf mal ein neues Album - aber die goldene Zeit, die ist vorbei.
Eindrucksvoll bewiesen wurde das dieses Jahr durch das Comeback von Dynamite Deluxe - wenn Samy auch früher sicher nicht zu unrecht von sich als dem "derbsten MC seiner Zeit" rappte, so blieb er doch über all die Jahre nur deshalb auf der Erfolgswelle, weil sein Style sich dem, was die Gangsterbewegung von ihm forderte, nach und nach anpasste - und auch wenn er nicht die üblichen neuen Themen behandelt, so fehlt ihm die Lässigkeit, die Hiphop früher angenehm und nicht zuletzt groß gemacht hat. Aber heute frisst der Hiphopfan von damals Fliegen, und wenn ihm ein Album der Helden von damals hingeworfen wird, dann ist das immernoch besser als jedes neue der Stereotypen von heute.
Was bleibt uns alten, treuen Fans dann diesen Sommer zu tun? Die Antwort darauf hat - natürlich - einmal wieder Dendemann, wenn er sagt "was immer du tust, tu es, als sei es heute das erste Mal".
Also nochmal die alten Alben hören. Sich wieder fühlen wie 15, damals, beim ersten Mal.
Eigentlich gar nicht so übel.

von aeskulap - veröffentlicht in: Allgemeines
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Dienstag, 8. april 2008
"Ach, verdammt, ich krieg das doch eh nicht hin; für sowas bin ich nicht zu gebrauchen, eigentlich bin ich ja für alles unnütz. Man entferne mich aus der Evolution - so gut wie der Rest werde ich nie"
Wem dieser Gedanke nicht fremd ist, den heiße ich herzlich willkommen in der Welt der Minderwertigkeitskomplexe.
Natürlich hat jeder einmal das Gefühl, dass die Welt gegen ihn und überhaupt alle irgendwie besser sind als man selbst, aber sobald sich dieser Eindruck häuft und man die eigene Unvollkommenheit tiefer und vor allem als Belastung zu empfinden beginnt, ist der Weg geebnet in die psychische Störung; und der lässt sich nur allzu leicht vorwärts, aber nur schwer rückwärts gehen.
Ist man einmal gefangen in der eigenen Unzulänglichkeit, folgen oftmals andere Symptome, darunter wie so oft die Depression, die besonders durch den subjektiven Wertverlust der Person selbst gern in suizidgefährdete Stadien ausartet; auffällig ist eine auftretende Beziehungsarmut, denn wer will schon mit einem so minderwertigen Menschen befreundet sein, das Ganze kann sich dann auch in ständige Versagensängste bis hin zur Soziophobie entwickeln.
Natürlich wird auch hier kompensiert, einerseits durch die Flucht in diverse Suchten, andererseits durch das Vortäuschen von Selbstbewusstsein und Selbstschätzung, nach Art einer krankhaften Störung dann natürlich krankhaft gesteigert vor allem als Arroganz deutlich wahrnehmbar.
Wer also wiederholt vom Leben eins auf den Deckel bekommen hat, der sollte aufpassen, ob sich oben genanntes nicht auch bei ihm abspielt; Minderwetigkeit erfahren wir alle einmal, nur schaffen wir es normalerweise, dem Tief zu entrinnen. Reihen sich aber die Tiefs aneinander, nun, dann heißt es aufgepasst, auch für die nahestehenden Menschen - der Kampf mit dem eigenen Dämon endet nicht selten in einem Loch, aus dem nur hilfreiche Hände wieder heraushelfen können; und die gilt es im richtigen Moment zu reichen.
von aeskulap - veröffentlicht in: Hypochonderecke
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Montag, 7. april 2008
Der Frühling lässt sein blaues Band mal wieder flattern, und er bringt für die Lungenkranken unter uns ein besonderes Geschenk mit: den Pollenflug. Besonders für die Asthmatiker unter uns heißt das oft: Zeit, sich mit Medikamenten einzudecken.
Aber was ist Asthma überhaupt? Um das zu beantworten, müssen wir uns einmal anschauen, wie die Lunge aufgebaut ist. Man stelle sich einen Baum vor, mit vielen Ästen und Zweigen - und nun stelle man sich vor, diese Äste wären hohl, und an ihren Enden befänden sich kleine Bällchen. Und zwar unehimlich viele. Dann hat man die Grobstruktur dieses Organs schon verstanden: Die Luft fließt durch den Baumstamm (die Luftröhre), die sich immer weiter aufzweigt (in die beiden Hauptbronchien, dann in immer kleinere), bis am ende kleine Bläschen erreicht werden, an die Blutgefäße grenzen - durch die dünne Wand dieser Bläschen diffundiert, also bewegt sich, nun der Sauerstoff in das Blut und das Kohlendioxid zurück in die Luft in der Lunge.
Dann stellen wir uns vor, dass sich um diese ganzen Äste des Bronchialbaumes Muskeln winden (das ist nur bildlich gesprochen, die Muskulatur befindet sich innerhalb der Wände und nicht außen herum), und wir ahnen: wenn diese Muskulatur sich verkrampft, kann weniger Luft fließen. Und damit erschließt sich schonmal einer der Vorgänge bei Asthma.
Nun ist es wichtig zu wissen, dass die Lungenbläschen von einer dünnen Flüssigkeit (dem Surfactant) benetzt sind, die verhindert, dass eben diese Bläschen in sich zusammenfallen (das hat physikalische Gründe, die ich uns nun erspare, ich sage nur: Oberflächenspannung!), und das auch sonst auf der Oberfläche der Bronchien ein schleimiges Sekret vorkommt. Werden diese Sekrete nun dickflüssiger, führt das einerseits auch wieder zu einer Einengung der Atemwege und, vor allem, zu einem Zusammenfallen/Verkleben der Lungenbläschen, so dass die Menge an Sauerstoff, die ausgetauscht werden kann (und die ja durch die Anzahl der Bläschen unter anderem definiert wird), abnimmt.
Beim Asthma Bronchiale reichen sich diese beiden Vorgänge nun die Hand, die Folge ist eine mehr 
oder weniger schlimme Atemnot, die in schweren Fällen akut lebensbedrohlich ist. 

Die Verengung der Atemwege hat oft immunologische Gründe - als Reaktion auf Auslöser, z.B. Allergene, werden Immunglobuline gebildet, das sind bei der Akutreaktion primär Immunglobulin E (IgE), bei der verspäteten Reaktion (sprich wenn man einige Stunden, nachdem man auf den Auslöser getroffen ist, einen Anfall erleidet) dann IgG. Und die führen dann dazu, dass die Stoffe, die die typischen Asthmasymptome auslösen, also Histamin, Bradykinin und co., ausgeschüttet werden, mit all ihren Folgen.

Was tut man nun dagegen? Erstmal eine korrekte Diagnose stellen wäre da ein guter Anfang. Das wird vom Pulmologen, also dem Lungenfacharzt (pulmo=Lunge), geleistet, der verschiedene Werte der Atemfunktion registriert; das sind zum Teil komplizierte Werte, die aber nichts anderes tun, als zu überprüfen, wieviel Luft man tatsächlch Ein- und Ausatmet, inwieweit sich daraus Rückschlüsse auf Lungenvolumen, Engstellung der Bronchien etc. stellen lassen.
Natürlich geschieht das erst, nachdem das Asthma schon mit seinen Leitsymptomen, also der Atemnot, dem erschwerten Ein- und vor allem Ausatmen (das sich häufig durch ein Pfeifen auszeichnet), an die Tür geklopft hat.
Stellt man ein Asthma fest, dann gilt es, zu kategorisieren - ist es allergisch oder nicht? Gibt es da eine familiäre Vorgeschichte? Wenn es allergisch ist - was ist der Auslöser? Gibt es verschlechternde Faktoren, raucht der Patient beispielsweise?
Dann lässt sich das Asthma noch in Schweregrade unterteilen, je nach Stärke und Frequenz der Anfälle; danach richtet sich dann auch die Therapie. Seltene und leichte Anfälle werden zum Beispiel nur mit einm Reliever, also einem Akutmittel, therapiert (das sind zum Beispiel ß2-Sympathikomimetika, also Mediamente, die die Wirkung, die das sympathische Nervensystem auf bestimmte Rezeptoren, hier die ß2-Rezeptoren, imitieren); schwerere Fälle erhalten eine Langzeitmedikation zusätzlich zum Reliever. Die Langzeitmedikation besteht dann beispielsweise aus Glucocortikoiden (Hormonen, die in der Nebennierenrinde (=cortex) gebildet werden).
Rauchen wird natürlich die Entwöhnung dringend empfohlen, da diese einen positiveren Effekt auf die Lungenfunktion hat, als alle Medikamente zusammen.

Gut eingestellt, lässt sich mit Asthma leben; immerhin ist es eine der häufigsten Atemwegserkrankungen und oft genug auch Folge anderer Atemwegsinfektionen - in diesen Fällen ebbt die Symptomatik aber oft mit der Zeit ab.
Außerdem ist Asthma, im Gegensatz zu den meisten andauernden oder chronischen Leiden, durch mehr oder weniger lange Ruheperioden zwischen den Anfällen charakterisiert; bei Allergikern beschränkt es sich sogar auf die Zeit, in der man dem allergieauslösenden Stoff ausgesetzt ist.
Und damit wären wir wieder beim Frühling. Denn nun kommen sie wieder aus ihren Löchern, bzw. Blüten, die Pollen. Und wenn einen dann der erste Anfall wieder eiskalt erwischt und man wieder diese Erstickungsangst fühlt, dann bleibt neben dem Griff zum Inhaler nur eines - ruhig bleiben. Und tief durchatmen.

von aeskulap - veröffentlicht in: Studium
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Montag, 7. april 2008
Zugegeben, das Semesterprojekt ist ein wenig ins Stocken geraten, allerdings geht es nun fröhlich
weiter, diesmal mit einem Essay: In seiner Geschichte eines historischen Irrtums enwirrt Zweig die
Verwicklungen, die Amerigo Verspucci zum Namensgeber Amerikas machten.
Zweig gelingt es hier wieder einmal, den Leser zurückzuversetzen in eine Zeit, in der die Weltkarten noch große, leere Flecken aufweisen, er zeigt, indem er kurz die historischen Grundstimmungen der Jahrhunderte vor 1400 schildert, wie lange Europa unter dem Eindruck des Mittelaltes doch in sich geschlummert hat, und wie jäh die Wiederentdeckung alten Wissens und die Erkenntnis, dass die Welt außerhalb Europas größer sein könnte, als angenommen, das Abendland in Aufruhr versetzen.
Es ist eine Detektivgeschichte, wieder einmal, die Suche nach der Wahrheit in einem Jahrhunderte währenden Streit um Vespucci, über sein Leben, seine Leistungen, seinen Betrug, und Zweig beweist einmal mehr die Qualität, die seinen Ruhm als Biograph und Betrachter historischer Probleme begründet - seine Unvoreingenommenheit und Neutralität.
In verständlicher Form erfährt der Leser in diesem Büchlein, wie es geschehen konnte, dass Columbus im Ansehen seiner Zeitgenossen nicht nur tief sank, sondern auch vergessen wurde; und wie ein anderer, unbekannter Vespucci zum Namensgeber des doch - wie wir heute selbstverständlich wissen - von Columbus entdeckten Amerika wurde.
Es sei, ohne der Lektüre vorgreifen zu wollen, gesagt, dass Vespucci daran unschuldig zu sein scheint; in einer Zeit, in der die Menschen nach Neuem gierten, wurden einige seiner Briefe dreist zum Gegenstand ausgeschmückter Reiseschilderungen, und Zufall reihte sich an Zufall, bis in einem Atlas dieser Zeit das erste mal America auf jener hellen Fläche, hinter der man zu dieser Zeit noch eine kleine, begrenzte Insel vermutete, erschien; und was einmal seinen Weg in die Bücher gefunden, wird schnell zu Wahrheit.
Und so wurde Vespucci zum Helden seiner Zeit - spätere Jahrhunderte jedoch, die Columbus wiederentdeckten, brandmarkten Vespucci als gemeinen Lügner, der den spanischen Admiral seines Ruhmes berauben wollte und all jene Zufälle, die Amerika seinen Namen verliehen, geplant habe; lange, sehr lange, wurde da gekämpft, und man verlor aus den Augen, dass Columbus und Vespucci zeitlebens Freunde waren, auch nachdem Amerika Amerika hieß.
Keine schöne Ausgangssituation für einen Historiker, der nach Wahrheit sucht, aber Zweig scheint sie zu finden; er weist auf Columbus Wahn hin, der in der historischen Idealisierung mittlerweile untergegangen ist, das Paradies zu finden, sich statt auf Haiti in Japan befunden zu haben; bis zu seinem Tod, der alles andere als ruhmreich war, hat Columbus dem Irrglauben, Indien entdeckt zu haben, angehangen - er hat eine der größten historischen Taten vollbracht, aber war völlig außer stande, sie zu deuten. Und eben dies gelang Vespucci, als er in einem der später veröffentlichten Briefe darauf hinwies, dass es sich nicht um Indien, sondern um Novo Mondo, eine Neue Welt, handle.
Verständlich, dass dies von den Zeitgenossen begeistert aufgenommen wurde, verständlich auch, dass ihm Ruhm zuteil wurde. Und absehbar, dass aus Helden oft genug Opfer derer werden, die sich an ihnen bereichern wollen, so wie hier.
Es ist nicht möglich, den gesamten Sachverhalt in einem kleinen Artikel zu entwirren, zu komplex ist diese Zufallskette, die Zweig da scheinbar mühelos und klar schildert.
Bemerkenswert an diesem Buch ist aber etwas anderes: Selten wird einem so klar vor Augen führt, wie selbstverständlich wir heute Fakten hinnehmen, und wie wenig wir nachfragen, wenn wir auf Ungereimtheiten stoßen; dass Columbus 1492 die Neue Welt entdeckte weiß jeder, dass Amerigo Vespucci Namensgeber Amerikas war, auch. Aber wie es denn sein kann, dass Amerika nicht Columbia heißt - das zu fragen haben wir verlernt.
von aeskulap - veröffentlicht in: Bücher
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Sonntag, 6. april 2008
Wer kennt das nicht: Man wird älter, und immer öfter blickt man voraus, zurück, beäugt angestrengt das jetzt und hier, vergleicht, schlussfolgert, alles auf der suche nach dem einen, das sich so schwer fassen lässt: sich selbst.

Heute ist wieder einer dieser Tage; das Wetter lässt das erste Mal auf Besserung schließen, und man holt die Stücke aus dem mp3-folder, die einen schon das ganze Leben begleiten; und während man sich wieder fühlt wie 15, blickt man zurück und stellt fest, wie wenig die eigene Realität doch mit dem übereinstimmt, was man sich irgendwann einmal ersonnen, oder vielleicht auch im jugendlcihen Eifer zusammengesponnen hat. Und während Dendemann von der Omi aus dem ersten Stock erzählt, schaut man sich an, wo man so steht. Und das macht nachdenklich.

Vor ein paar Jahren schien die Welt noch in Ordnung - da war man gerade 15, machte seine mittlere Reife, ging 
dann ins Ausland, schnupperte mit 16 das erste Mal die süße Luft der höheren Bildung an einer amerikanischen Universität, hatte das erste Mal diese Hoffnung, dass man die eigenen Träume und Ansprüche halbwegs erfüllen könnte, erfuhr das erste Mal Liebe, Verlust, wirkliche Freundschaft, kehrte zurück und nahm an, dass alles fröhlich so weiter gehen würde.

Wenn es jedoch eine konstante Eigenschaft des menschlichen Intellekts gibt, dann die, dass er gern 
mal irrt; es ging noch eine Weile ganz gut weiter, doch die Noten wurden etwas schlechter, und ich traf die Entscheidung, die ich wohl ein Leben lang bereuen werde - die für die Medizin, und gegen die Musik; begründet war das natürlich maßgeblich dadurch, dass ich den Kampf um mein Selbstbestimmungsrecht innerhalb 
der Familienhierarchie verloren hatte; das erste Mal im Leben wäre es an mir gewesen, mich durchzusetzen, aber leider ist man oft gerade dann, wenn von einem Stärke gefordert wird, erschreckend schwach. Mit dem, was daraus folgt, muss man dann allerdings auch leben.

Zugegeben, ich hatte bis dahin die Hoffnung, vielleicht doch noch zum Berufsklimperer und 
Stäbchenschwinger zu werden,und hätte ich alles kommen sehen, wären meine schulischen 
Leistungen sicher besser ausgefallen - möglich gewesen wäre das jedenfalls.
Damit wäre mir dann auch der nächste Ausflug ins Ausland erspart geblieben; im Nachhinein bereue ich ihn keinesweges, aber es wäre alles etwas anders ausgegangen, wenn ich vom Fach Medizin überzeugt
gewesen wäre - die stumme Weigerung hat sicher das ein oder andere vergeblich angetretene Prüfung nach
sich gezogen. Dass das Ganze dann durch meinen besten Freund, die Gesundheit, zu einem jähen Ende gebracht wurde, und nicht durch intellektuelles Unvermögen, ärgert und frustriert mich noch heute. Wenn man schon versagt, dann doch bitte auch zu Recht und aus eigener Kraft.

Folgerechtig dann, sich trotz des tiefsitzenden Gefühls des Versagens, oder gerade deswegen, wieder zurück in die Medizin schwingen zu wollen. Immerhin hatte man sich ja mittlerweile nicht nur ab-, sondern auch eingefunden, 2 Jahre harte Schule an einer selbsternannten Eliteuni sollen ja nicht umsonst gewesen sein. Allerdings verlor ich auch hier einen Kampf - diesmal gegen die Vergabestelle für Studienplätze, die mich eines Platzes nicht für würdig hielt; ein Blick auf mein Abiturzeugnis schien dort zu genügen. Ein Grund mehr, Deutschland nicht zu mögen.

Doch in der Not frisst der Teufel fliegen, und in meinem Fall: Zahnmedizinstudienplätze.

Man könnte nun Fragen, was das hier eigentlich alles soll gerade, die Vergangenheit aufarbeiten kann man doch auch woanders, dafür muss ein blog nicht herhalten, außerdem ist das recht privat und wildfremde Menschen könnten es lesen; dazu kann ich nur sagen: Als ob wildfremde Menschen auf diese Seite kämen! Und der Rest, nun, aufgearbeitet ist das alles schon seit langem - aber wie bei allen Fehlern, die man macht, gilt auch hier: man muss sie sich immer wieder vor Augen führen. Denn nicht die richtigen Entscheidungen definieren unser Leben und verfolgen uns, sondern die falschen.

Interessanterweise ist die Situation heute ähnlich abstrus wie damals im Ausland, nur in sich verkehrt - mittlerweile steckt mein Herzblut in der Medizin, und nichts würde mich glücklicher machen, als in ihrem Auftrag hunderte von Seiten in mein Hirn zu hämmern; aber nein, ich muss Zähne beschleifen. Oder aufwachsen. Oder die Namen handelsüblicher Desinfektionsmittel auswendig lernen. Oder..irgendeinen anderen Unfug, der noch uninteressanter ist. Macht das glücklich? Nein. Spaß macht es auch nicht. Aber muss es sein? Das schon. Denn viele Wege führen nach Rom, so auch zur Medizin; einige davon sind allerdings beschwerlich. Und zwar sehr.

Damit sind wir nun auch nach einigen Absätzen am Kernthema angelangt: der momentanen Situation. Und die nervt - natürlich - gewaltigst. Immerhin darf ich nun wiedermal einen Kurs in der Vorklinik wiederholen.
Interessanterweise allerdings nicht aus den Gründen, die früher für meine universitären Fehlleistungen verantwortlich waren, also Unvermögen und Unwissen, sondern durch einen treuen Gefährten, der mir seit 3 Semestern treu zu Seite steht: das Pech. Und wo kann man ihn weniger brauchen, diesen treuen Freund, als in einem Fach, das praktische Arbeiten beurteilt und praktisches, fehlerfreies Können sehen will und benotet.

Bisher habe ich mich damit abgefunden und mein Haupt unterwürfig dem Moloch Studium gebeugt; habe fleißig 40h pro Woche in der Universität gehangen, 30h Bücher gewälzt, und allem, was das Leben außerhalb dieses Mikrokosmos noch zu bieten hatte, abgeschworen, in dem Wahn, all das, was man sonst noch von mir fordert, erfüllen zu müssen: sei es regelmäßiger Sport, Bildung in allen Richtungen, oder eine Kurzhaarfrisur - ich glaube, sagen zu können, dass ich da nichts unversucht gelassen habe. Viel geholfen hat es allerdings, leider, nicht.

In letzter Zeit ist mir aufgefallen, dass derartige Bessesenheit von Leistung, die mit einer gehörigen Portion Selbstaufgabe einhergeht, vor allem eins macht: einsam. Wirft man alles, was einem an Zeit bleibt, einer bestimmten Person entgegen, und für mehr als eine reicht es in der Tat nicht, bisher wenigstens, so findet man sich, wenn sie auf einmal fehlt, allein und unverstanden; da ich, auch deswegen ist dieser Artikel nun etwas offener, nicht gerade zu den unverschlossenen Persönlichkeiten zähle, lässt sich das sich-nicht-verstanden-fühlen auch nicht schnell ändern. Aber die Einsamkeit, die lässt sich bekämpfen.

Dieses Semester also steht über all dem, was man sich aufbürden lässt, über all jenen Anforderungen, die man an sich selbst stellt, über all der Kraft, die man verschwendet, um als elitär gelten zu können, eine einzelne Forderung: die nach einem Leben. Einem, an dem man nicht die nächsten 12 Tage auf den Lernplan reduzieren kann und schon vorm Schlafengehen vom nächstn Tag entnervt ist. Einem, das einem nach einem 10km-lauf nicht irgendwelche Ökodrinkscheiße, sondern ein gemütliches Bier gönnt. Einem, in dem das eigene gesundheitliche Weichflötentum zurücksteht - einem wie damals, mit 15. Nur erwachsener. Arbeitsamer. Älter. Kindischer.

Drum ist es auch Zeit, das eigene Bild von sich selbst zu überarbeiten, weg vom sturen Theoretiker, weg vom House-Nachahmer hin zu einer neuen Vision vom Alltag mit Spaß - ein bisschen mehr Scrubs im wirklichen Leben, quasi. Auch wenn diese Serie mich schon lange nicht mehr zum Lachen bringt. Vielleicht bald wieder.
Also, Leben, zieh dich warm an, jetzt kommt der Aes. Auf dass ers durchhält.
von aeskulap
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Freitag, 4. april 2008
Es ist soweit, die Phantomvorbereitung beginnt; damit auch die Personalisierung des Tagebuchs, adieu Neutralität, hallo subjektive Erfahrung. Und hallo Ich-Perspektive.
Gestern habe ich mich das erste mal seit Monaten wieder an den Ort der großen Niederlagen meines jungen Studentendaseins, die Vorklinik, begeben; und interessanterweise ist seit genau diesem Moment der Phantom I wieder allgegenwärtig. Das fängt bei wirren Gedankengängen, die einen vom Einschlafen abhalten, an (wie z.B. präppt man gleich wieder am angenehmsten im Unterkiefer?), und hört bei den obligatorischen Bauchschmerzen, die sich beim Gedanken daran - Psychosomatik lässt grüßen - natürlich sofort eingestellt haben.
Natürlich war ich auch im hiesigen Dentalhandel, das hätte ich mal auf heute verschieben sollen, denn natürlich fällt genau jetzt auf, was ich dann so alles dort nicht erworben habe.
Überhaupt ist der erste wirkliche Vorbereitungstag recht nervig; das Wiederholen des Stoffes beginnt leider natürlich wieder bei den Basics, sprich der Zahnmorphologie (also dem Aussehen und den Grundmaßen eines jeden Zahnes) und den Zahnschemata (also jene Formeln, die wir beim doc immer hören, wenn er sich davon überzeugt, dass wir wohl zu viel süßes gefuttert haben - "11(gesprochen: eins eins) ob, 12 ob..15 oh, ja, da ist eine kleine Stelle").
Und wo die Theorie schon nervt, da darf natürlcih die Praxis nicht nachstehen, und da steht in den nächsten Tagen so einiges auf dem Programm, z.B. ein Einzelzahn- und ein Brückenprovi sowie eine aufgewachste Brücke pro Tag und das Aufstellen einer bilateral balancierten Totalprothese (also jenem Gebiss, mit dem z.B. die Raucher unter uns mit 
hoher Wahrscheinlichkeit später gesegnet sein werden) bis zu T-0.
Die Bilanz fällt bisher mager aus: erstmal galt es, nicht besonders gut präparierte Zähne mit dem Handstück entsprechend aufzuwerten, was mehr oder weniger erfolgreich war; das erste Provisorium war zwar nich total schlecht, allerdings auch weit von dem entfernt, was man im Phantom erwarten wird. Und wer zur Hölle hat die Stufen-Teilkronenpräparation erfunden, das ist ja das allerletzte. Außerdem erweist sich das Handling des neuen Aufstellwachses als nicht ganz einfach.
Aber gut - noch ist ja Zeit. Gottseidank.
von aeskulap - veröffentlicht in: Phantom I
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Freitag, 4. april 2008
Die Etüde ist seit jeher der Feind eines jeden Instrumentalisten - nicht, dass diese Stücke langweilig, anspruchslos oder gar nicht wohlklingend wären, aber gerade beim Einstudieren von Etüden wird einem klar: ein Instrument spielen, das ist vor allem eines - harte Arbeit.
Aber was ist das eigentlich nun genau, eine Etüde. Die Francophilen unter uns werden das Wort etudier, das auf französisch soviel wie lernen, studieren bedeutet, erkennen und sich daraus auch die Bedeutung zusammen reimen können, dass es sich also um Stücke handelt, bei deinen man etwas lernen soll.
Viel mehr waren die Etüden zu Beginn auch nicht, simple, kleine Stücke, die - meist bar aller eigenschaften, die Musik in irgendeiner Weise interessant machen können - dem stupiden Erlernen und Bewältigen spezifischer technischer Probleme dienten (derartige Übungen gibt es natürlich auch heute noch, hier sei auf Hanon und Dohnyanyi verwiesen).
Dann allerdings trat, zumindest für den Bereich Klavier, um den es hier (ich betone es noch einmal) ausschließlich geht, Carl Czerny auf den Plan: Dieser Meisterschüler Beethovens begründete mit seiner Klavierschule, einem für damalige Verhältnisse unheimlich umfassenden Werk, die moderene Klaviermethodik- und Didaktik - das zeigt sich schon darin, dass kaum ein Klavierschüler umhin kommt, sich seinen Studien wenigstens einmal zu widmen (eine der Ausnahmen schreibt gerade diesen Artikel); nicht ganz so bedeutend, aber erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang auch Hummel, den einige sicher vom gleichnamigen Flug kennen werden.
Bei Czerny lassen sich schon starke Fortschritte bezüglich der Melodik der Übungen feststellen, aber Musik wäre nicht Musik, wenn sie sich nicht beständig weiter entwickeln würde, und wie in der Literatur wird die Klassik von einer Epoche gefolgt, die neben der Form auch den starken Ausdruck sucht - der Romantik.
Die Romantik ist, mit der finalen Entwicklung des Hammerklaviers, also des Pianoforte, das wir heute auch noch kennen (auch wenn darauf noch einige Generationen folgten, in denen vor allem die Klanggewalt und -Fülle zugenommen hat), die Epoche der großen Klaviervirtuosen - alle Möglichkeiten, die das Instrument bietet, werden ausgeschöpft, und während andere Formen wie Sonate, Intermezzi, Fugen sich weiterentwickeln, so wird auch die Etüde erwachsen - und zwar konzertant.
Der Schritt vom Übungszimmer auf die Konzertbühne ist ein großer, auch für die Komponisten und Pianisten, denn nun zählt mehr denn je die Technik, Virtuosität kann und will endlich eindrucksvoll gezeigt werden; vermutlich war das ein großer Schritt, der den Standard der Berufsklavierspieler deutlich angehoben hat.
Den Anfang nahm das Ganze mit Chopin, dessen zwei Etüdenzyklen auch heute noch die Spreu vom Weizen trennen; kaum ein Wettbewerb, in dem man nicht als Pflicht zumindest eines der Stücke vorbereiten muss, kaum ein Studium, in dem nicht an irgendeinem Punkt jene Stücke geprüft werden. Die Besonders bekannten darunter wurden mit der Zeit mit Namen versehen, so die  Revolutionsetüde für die linke Hand Op.10 Nr. 12, die Tristesse Op. 10 Nr. 3, die auch eine traurige Verballhornung durch den deutschen Schlager erfuhr;  mein persönlicher Favorit ist allerdings Op. 25. Nr. 11, die sich den Beinamen Winterwind eingefangen hat; dass die Chopinetuden aber, auch wenn sie auch als Unterrichtsliteratur weit verbreitet sind,
ihren Anspruch nicht verloren haben, sieht man beispielsweise daran, dass selbst etablierte Pianisten wie Horowitz einzelne Etüden nie auf Konzerten gespielt haben (Horowitz erschien Op. 10 Nr. 2 im Originaltempo 
unmöglich zu spielen).
Hier soll schon einmal erwähnt werden, dass die Chopinetuden später von Godowsky noch einmal arrangiert wurden, was in, gelinde gesagt, absolut verrückten Studien endete, die für den normalen Hobbypianisten unter "unspielbar" abzulegen sind.
Wo Chopin allerdings anfängt, da macht - bekanntermaßen - Liszt weiter, und so verwundert es nicht, dass eben jener den Anspruch noch einmal steigerte und selbst auch Etüden schrieb. Die am häufigsten in Konzerten anzutreffenden darunter sind die Paganini Etüden, eine ausgezeichnete Interpretation der zweiten findet sich hier.
Sieht man von Unterschieden in Melodik, Ausdruck und technischer Anforderung ab, so fällt beim Spiel dieser Stücke vor allem eines auf - Chopin liegt, so schwierig und unspielbar die Stücke auch zu Beginn (und, das sagt nun meine wenige Erfahrung, das tun sie auch am Ende noch) wirken, so liegen sie doch wenigstens noch halbwegs in der Hand; man erkennt ein wenig den Unterschied zwichen dem Konzertpianisten Chopin und dem Virtuosen Techniker Liszt.
Was Liszt allerdings besonders auszeichnet (und da sieht man eine parallele zu Czerny) ist die Menge an Schülern, die er ausgebildet hat; denn was nützt die virtuoseste Technik, wenn das Wissen um sie nicht weitergegeben wird. Die Kreise der Lisztschen Schule ziehen sich auch heute noch weit hinein in die Welt der Konzertpianisten, und die modernen Standards wären ohne sie wohl ein wenig niedriger angesetzt.
Den Lisztetüden folgten dann, chronologisch nun nicht ganz korrekt, die Studien von Brahms, die weniger melodisch ausfielen, die sinfonischen Etüden von Schumann, die eher wie ein Variationszyklus anmuten und von der ursprünglichen Definition der Technikstudien schon weit abgerückt sind, die Etüden von Debussy, Rachmaninoff und auch Scriabin.
Besonders Scriabins Etüden wirken, technisch immernoch hoch anspruchsvoll, dieses Eindrucks kann ich mich jedenfalls zur Zeit nich erwehren, wie eine Abkehr vom virtuosen Brillieren zurück zum Charakterstück; natürlcih gibt es auch hier herausragende, sichtbar virtuose Stücke, zum Beispiel Opus 8 Nr 12., aber selbst hier erkennt man den tiefen Ausdruck, auf dem Scriabins Hauptaugenmerk zu liegen scheint..
Wir nähern uns dem Ende dieses Artikels, alles, was zu tun bleibt, ist, einen Blick auf die Moderne und die Zukunft der Etüden zu werfen.
Auch heute noch, man mag es nicht glauben, werden Etüden geschrieben (z.B. von Ligeti), das liegt nicht zuletzt daran, dass die moderne Musik, die ja seit dem Ende der Romantik einges an Entwicklung hinter sich gebracht hat, z.B. den Avantgardismus, die Neotonalität etc., den Pianisten immernoch vor neue Probleme stellt, und wohl auch in Zukunft vor neue Probleme stellen wird, die gemeistert werden wollen; außerdem suchen immer neue Generationen immer virtuoserer Pianisten ständig nach neuen Herausforderungen.
Ob aber moderne Kompositionen jemals auch nur ansatzweise die Popularität der oben genannten Etüden erreichen werden, nunja - das bleibt fraglich.



von aeskulap - veröffentlicht in: Klavier
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Montag, 31. märz 2008
Wie man bei den neu eingestellten Artikeln merkt, sorgt der zwar nun Operafähige, allerdings noch unzulänglich arbeitende Texteditor zur Zeit für größere Lücken im Text, die sich noch nicht beseitigen lassen; ich hoffe aber, das in nächster Zeit in den Griff zu bekommen, dann steht dem geordneten Lesebild hoffentlich nichts mehr im Wege.
von aeskulap
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Montag, 31. märz 2008
"Gesundheit!", denkt man sich wohl, wenn man den Titel das erste Mal liest und laut ausspricht, allerdings handelt es sich hier ja nicht um einen Eintrag für die Hypochonderecke, sondern für die neue Klavierrubrik - diesmal nicht wie angekündigt über ein einzelnes Stück, sondern über ein Duo, das - weil wieder auf Konzertreise durch Europa - druchaus eine kleine Notiz verdient hat.
Klassische Musik, egal ob alt oder modern, leidet seit langem unter Publikumsschwund, was einerseits sicher in der mangelnden Konfrontation damit begründet ist, andererseits aber sicher auch mit einem Mangel an Zugänglichkeit liegt - Konzertprogramme, in denen man sich auch als Einsteiger wohl- und einfühlen kann und die einen nicht mit großen, komplexen Werken erschlagen, sind selten, eben weil man dem spärlichen, dann aber verwöhnten Klassikpublikum auch entsprechendes bieten möchte und selten Neues wagt. Schließlich gilt auch hier: der Rubel muss rollen, Orchester, die sich nicht rechnen, existieren nicht lange.
Wie aber begeistert man Menschen, die sich der Klassik nicht durch Erziehung oder die Zufälle, die einen zu dieser Musik bringen, verbunden fühlen?
Ein Allzweckmittel gibt es hier wohl nicht, ich denke aber, dass sich zwei Möglichkeiten besonders bewähren: einmal das Gesprächskonzert, in dem die gespielten Stücke auch besprochen und Besonderheiten anschaulich aufgezeigt werden, außerdem die Comedy, eine Möglichkeit, die allerdings nicht jedem Musiker auch liegt und dementsprechend rar ist; wenn man jedoch dort auf fähige Künstler trifft, sind dies die wohl eingänglichsten und am meisten begeisternden Konzerte.
Und deshalb sei hier auf den Violinisten Aleksey Igudesman und den Pianisten Richard Hyung-ki Joo, die oben genanntes Duo bilden, verwiesen. Die beiden befinden sich nun mit A litle Nightmare Music auf Europatournee, in Deutschland zunächst in München und Baden-Baden zu sehen, und diese Nightmare Music scheint es in sich zu haben, wenn man Kritiken und youtube glauben schenken darf; ich spare mir hier lange Beschreibungen und stelle einfach nur fest, dass die mir bekannten Nummern sind jedenfalls innovativ und großartig genug, um sich
die beiden auch einmal live anzusehen - davon kann man sich durch einen Klick auf das Promovideo der beiden überzeugen.
Interessierte finden auf ihrer Homepage dann auch Tourdaten, Biographien und Programmausschnitte.
von aeskulap - veröffentlicht in: Klavier
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