Mittwoch, 12. märz 2008
Das Semesterprojekt schreitet voran, und endlich gibt es auch wieder ein Buch zu besprechen, diesmal die Biographie einer uns auch heute wenigstens noch namentlich bekannten Persönlichkeit des 16. Jahrhunderts :
Maria Stuart, Königin von Schottland, ehemals auch Königin von Frankreich, bekannt vor allem durch das Ende ihres Lebens als erste Königin von Gottes Gnaden, die von weltlicher Justiz (hin-)gerichtet wurde.
Allen inhaltlichen Besprechungen voran muss hier gestellt werden, wie undankbar Zweigs Aufgabe in diesem Fall war - Maria Stuart gehört zu jenen historischen Persönlichkeiten, deren Leben über die Zeit eine Legendarisierung erfahren hat, die es, einige Jahrhunderte später, sicher schwierig macht, historischen Fakt von bloßer Dichtung, sichere von unsicherer Quelle, Beschönigung und Wahrheit voneinander zu trennen; nicht zuletzt kann man davon ausgehen, dass, als Mitglied des Hochadels, Königin und Mutter von James I., der die Königreiche England und Schottland durch seinen Thronanspruch einte, ihre eigene Geschichte auch durch ihre Nachfahren eine Bereinigung erfahren hat.
Zweig geht daher, dem eigenen Anspruch auf klares, unparteiisches Urteil folgend, einen Mittelweg, erklärt, warum und wie er welche Quelle gewichtet, lässt aber, wenn man sich einer Darstellung nicht sicher sein kann, auch andere Deutungen geschickt einfließen; am Ende seiner Bemühungen steht ein Buch, dass, soviel sei schon einmal verraten, mit von ihm gewohnten historischem Pathos, nicht nur das Leben Maria Stuarts nachzeichnet, sondern auch all die an ihrem Leben Anteil habenden historischen Gestalten lebendig werden lässt.
Das ist auch dringend notwendig, denn, wie so oft bei politischen Persönlichkeiten, all die Wendungen ihres Lebens, all die Intrigen, in die Maria Stuart sich selbst verwickelt oder hineingezogen wird, werden nur verständlich, wenn man auch ihre Feinde, Widersacher und Freunde (ersterer gibt es mehr, letzterer weniger), kennen lernt; nur so lässt sich Maria Stuarts Untergang auch politisch nachvollziehen. Nun aber zum Anfang.
Maria Stuart ist gerade 6 Tage alt, als sie zur Königin von Schottland wird, einem Land, dessen Adelsfamilien eher einer meuchelmordenden Meute, die hemmungslos mit- und gegeneinander intrigieren, gleichen; zu ihrem eigenen Schutz und auch aus politischer Berechnung wird sie an den französischen Hof geschickt, wo sie nicht nur alle höfische Pracht Europas, Bildung, Erziehung genießt, sondern auch in zartem Alter mit Franz dem II. verheiratet und somit zur Königin Frankreichs wird; nach dem frühen Tod ihres kränklichen Mannes aber, nun nicht mehr erste Frau am Hof, kehrt sie in das ihr vollkommen unbekannte Schottland zurück; und spätestens seit diesem Tag steht ihr Leben unter keinem guten Stern.
Keine kluge Taktikerin, einzig geschult in den repräsentativen Pflichten, erkennt sie bald, dass in Schottland sprichwötlich ein anderer Wind weht als in Frankreich; für die Feinde im eigenen Stand und im eigenen Schloss gilt Macht über Gewissen, ist Loyalität, selbst in Form von Brief und Siegel, kein Gut, dass sich nicht innerhalb von Sekunden wieder verwerfen ließe. Damit hätte Maria Stuart schon im eigenen Land mehr als genug Probleme, aber Weltpolitik wäre nicht Weltpolitik, wenn nicht damals schon das Ausland seine Finger im politischen Spiel Schottlands gehabt hätte; und das Ausland ist hier vor allem Elisabeth I., nahe Blutsverwandte Maria Stuarts, ihr krasser charakterlicher Gegenpol und zeitlebens ihre ärgste Rivalin.
Und mehr noch, in den beiden Frauen stehen sich auch verschiedene Weltanschauungen gegenüber, die eine Christin, die andere Schirmherrin der protestantischen Church of England:
"Der persönliche Kampf zwischen Elisabeth und Maria Stuart, zwischen England und Schottland entscheidet - und darum wird er so bedeutsam - auch zwischen England und Spanien, zwischen Reformation und Gegenreformation", wie Zweig schon in einem der ersten Kapitel vorausgreifend feststellt.
Aber bis zum Scheitern der Gegenreformation vergehen noch einige Jahre, in denen Maira Stuart erst einen gewissen Darnley, ihre erste wirkliche Liebe, heiratet, von dem sie schwer enttäuscht und in die Arme eines anderen Mannes getrieben wird; tragisches Liebesgeschehen eigentlich, das sich jedoch zu einem Mordkomplott gegen Darnley ausweitet, dessen Erfolg den Anfang vom Ende der Maria Stuart darstellt; hier beginnt der unhaltbare Abstieg ihres Lebens, vom Souverän eines Landes zur Gefangenen ihrer Erzrivalin und, schließlich, ersten nach einem Prozess gehenkten Königin Europas.
Diese bewegten 40 Lebensjahre schildert Zweig gewohnt gewissenhaft, ebenso entwirrt er erfolgreich die verschiedenen Komplotte und politischen Machtspiele, die Maria Stuarts Leben prägen (und auch beenden), aber selbst die Tatsache, dass man, nach Beendigung des Buches, mit einer gewissen Achtung auf Maria Stuart schaut, lenkt nicht davon ab, dass es sich hier, nach meiner Meinung, um eines seiner schwächeren Werke handelt; natürlich ist ein mittelmäßiger Zweigroman immernoch auf alle Fälle lesenswert, aber man sollte sich auf einige Schwächen gefasst machen, beispielsweise die Unübersichtlichkeit, die natürlich schon durch den historischen Stoff mit all seinen vielen Persönlichkeiten bedingt ist (man fühlt sich stark dan die Romane Dostojewskis erinnert, wenn man dann zum dritten oder vierten Mal einen Namen nachschlagen muss); oder aber die häufigen, unübersetzten französischen oder lateinischen Zitate, deren genauer Wortlort zwar normalerweise nicht essentiell ist, den man aber trotzdem gern verstanden hätte. Das sind natürlich nur kleine Schwächen vor dem Hintergrund einer Geschiche, die Zweig wieder einmal so lebendig gestaltet, als sei er selbst dabei gewesen, aber es sind immerhin Schwächen, die man wohl hätte vermeiden können.
Dennoch: "Im Letzten hat Maria Stuart ihrem Lande nichts Schöpferisches gegeben als die Legende ihres Lebens."
Und diese Legende ist es Wert, sie zu kennen, sie zu lesen - vor allem in Zweigs Darstellung.
von aeskulap - veröffentlicht in: Bücher
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Dienstag, 11. märz 2008
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von aeskulap - veröffentlicht in: Unfug aus dem Web
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Montag, 10. märz 2008
"Brot und Spiele", wer hat diese Phrase nicht schonmal gehört - immerhin ist dieses Grundrezept des politischen "das Volk bei der Stange"-haltens alt wie die europäische Kultur selbst; und auch heute aktuell wie eh und je.
Natürlich klingt es erst einmal flach, dieses "Brot und Spiele", zu lapidar, um tatsächlich fundamentale Grundwahrheiten des menschlichen Verhaltens ausdrücken zu können; immerhin kann man uns komplexe Lebewesen und unser Zusammenleben doch nicht auf zwei Schlagworte reduzieren. Oder etwa doch?
Betrachten wir erst einmal, was es eigentlich mit panem et circenses auf sich hat: Am Lateinischen lässt sich schon vermuten, dass es sich wohl um eine zur Zeit des römischen Reiches geprägte Phrase handelt, und wenn man gedanklich so weit ist, geht einem auch auf, dass die Übersetzung von circenses als Spiele eigentlich nicht ganz korrekt ist - richtiger wäre es, Zirkusspiele zu schreiben. Aber gehen wir einmal einen Schritt weiter und suchen den, der diesen Ausdruck prägte (man sieht, heute hagelt es wieder Wissen, mit dem man an Kneipenabenden glänzen könnte): Wir finden ihn in einer Satire des Dichters Juvenus, in der er das römische Volk anklagt, alle politische Autarkie an Feldherren und andere Führer abgetreten zu haben, nun nur noch fähig, sich ängstlich Brot und (Zirkus-)Spiele zu wünschen, verfasst gegen Ende des 1. Jahrhunderts.
Man hätte auch vermuten können, dass es einer sozusagen prämachiavellistischen Anleitung zum Regieren aus dieser Zeit entstammt, denn in der Tat ist uns die römische Zivilisation ja unter anderem für die von seinen Führern errichteten großen Amphitheatren und Arenen, die zum Teil die Zeit bis heute überdauert haben, bekannt - dass man, um Ruhe vor dem Volk zu haben, selbiges politisch und sozial bei der Stange halten muss, sei es durch aggressivere Außenpolitik (Krieg lenkt, wie wir am Beispiel der USA sehen können, auch heute noch gut von innenpolitischen Problemen ab und eint, zumindest zu Beginn, ein Volk wie kein anderes Ereignis), durch Ablenkung der Bevölkerung, indem man ihre Grundbedürfnisse befriedigt (beispielsweise mit panis gegen den Hunger) oder eben ihre Aufmerksamkeit auf andere Ereignisse und Persönlichkeiten lenkt (womit wir bei den circenses wären), war auch damals schon bekannt.
Nun ja, damals ist natürlich schon eine Weile her, wir sind doch mittlerweile zivilisatorisch so viel weiter, diese einfachen Grundprinzipien können doch heute gar nicht mehr so angewandt werden wie damals.
Wer so denkt, möge doch bitte genau jetzt den Fernseher einschalten, ein wenig zappen und dann noch einmal genau darüber nachsinnen; nun ja, denkt man sich, aber heute wissen wir ja über Populismus und ähnliches viel besser bescheid als damals, heute ist der normale Mensch viel informierter, die Welt kann sich vor Transparenz kaum retten..
Stimmt schon, aber ich finde es trotzdem erstaunlich, wie einfach sich dieses Muster des "das Volk ruhig haltens" immer wieder applizieren lässt: Da bemängeln täglich hart arbeitetende Kumpel, dass Manager Millionengehälter für ihre Arbeit kassieren, jubeln aber am selben Abend noch freudentaumelnd ihren großen Fußballhelden zu, die für die sensationelle Fähigkeit, einem Ball hinterherlaufen und ihn ab und zu durch einen Tritt zu beschleunigen, ähnlich horrende Summen erhalten - daran ist dann, wenn man in den modernen Arenen steht oder sich das Spiel über den Volksverdummer daheim anschaut, natürlicht nichts mehr auszusetzen; dass es aber jene modernen SportHelden sind, die heute die Aufgabe übernehmen, uns vom Alltag mit all seinen Strapazen und unerfreulichen Zuständen abzulenken, und das sehr erfolgreich, realisieren wohl nur wenige.
Statt des Sports könnte man nun auch die gute alte Flimmerkiste, die ja auch nichts anderes tut, als uns alle gekonnt zu verdummen und mit all ihren Stars und Sternchen eine andere Kategorie der modernen Helden zum Zeit- und Gedankenvertreib anbietet, und uns mit Schreckensmeldungen aus aller Welt das Herz in die Hose und Schreckensgespinste ins Hirn befördert, anführen; das Grundprinzip ist das gleiche.
Zugegeben, dieser Artikel ist ein wenig zum Pamphlet ausgeartet, aber man kann einfach nicht oft genug darauf hinweisen, wie sehr doch einfache, altbekannte und vielleicht auch unterschätzte Mechanismen unser Leben in unterschiedlichster Weise beherrschen; und wie sie letztlich, klug genutzt, eingesetzt werden können, um in eben dieses einzugreifen.
Und genau wenn das geschieht, ist es nötig, sie zu erkennen.
von aeskulap - veröffentlicht in: Allgemeines
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Montag, 10. märz 2008
undefined Diesmal mit dem Eichhörnchenfaktor..jaja, ich weiß, putzig. Aber es hat trotzdem schmutzige Gedanken!
von aeskulap - veröffentlicht in: Unfug aus dem Web
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Sonntag, 9. märz 2008
Zugegeben, ein Eintrag in der Filmsektion pro Tag sollte eigentlich reichen, aber an Reign Over Me komme ich heute einfach nicht vorbei; in den Semesterferien hat - soviel schonmal vorab - kein Film einen vergleichsweise starken Eindruck bei mir hinterlassen.
Und das liegt größtenteils an einem unglaublich überzeugenden Adam Sandler, der als Charlie Fineman fast schon beeindruckt - immerhin sind wir ja Perlen wie Waterboy und Happy Gilmore von ihm gewohnt und erwarten daher, vor allem, wenig, wenn er wieder einmal als Hauptrolle in einem Film auftaucht (dass einen dämliche Filme als Schauspieler immer verfolgen werden ist wohl ein Fluch, über den vermutlich auch Jim Carrey ein Lied zu singen vermag); diesmal allerdings möchte man ihm, so ging es mir zumindest, einen Academy Award hinterherwerfen.
Nun aber kurz zum Inhalt des Films: Alan Johnson, gespielt von Don Cheadle, ist ein nicht unerfolgreicher Zahnarzt, Familienvater, dessen Leben ihm in den Momenten, in denen er es fertig bringt, einmal ehrlich zu sich zu sein, nicht mehr wirklich gefällt - die von ihm gegründete Gemeinschaftspraxis ist seinen Fingern entglitten, was immer wieder zu Streitereien mit seinen Kollegen führt, ihm fehlt es an wirklichen Freunden, ein Zustand, der sich auch in seiner Ehe niederschlägt - unter dem Pantoffel stehend wird er von seiner Frau immer wieder zu Tätigkeiten gezwungen (nun gut, man könnte nun "hm, wer wird das in einer Ehe nicht irgendwann" denken), die ihm sichtlich alles andere als Freude bereiten, woran die eheliche Beziehung - unter anderem - leidet.
Dieser Zahnarzt meint nun eines Tages, seinen alten Studienkollegen Charlie Feynman in einem Rollerfahrer zu erkennen, schafft es aber nicht, ihn auf sich aufmerksam zu machen; einige Tage später ergibt sich allerdings wieder die Gelegenheit, als er Charlie nochmals begegnet - und in dieser ersten Begegnung deutet sich schon die Tragik des von Adam Sandler so verzüglich dargestellten Charakters an: Er erkennt Alan, seinen Zimmergenossen, nicht mehr. Gut, das könnte nun viele Gründe haben, wird man sich wohl denken, allerdings wird man recht schnell in die Hintergründe eingeweiht: Charlies Familie, seine Frau, seine drei Töchter und der ihm eigentlich verhasste Familienpudel, alle waren sie Passagiere in einem der Flugzeuge, die an 9/11 in die Twin Towers flogen, ein Ereignis, das sein Leben nicht nur zerstört sondern auch seine Persönlichkeit (wohl aus Selbstschutzgründen) dazu gezwungen hat, zu vergessen; nun lebt dieser vom Leben geschlagene Mann, gut versorgt durch Versicherungen und das eigene Vermögen, das Leben eines 20jährigen - er fühlt sich an keinen Tagesrythmus gebunden, hat keine Freunde, spielt den ganzen Tag Playstation, hängt Nachts in Clubs als Schlagzeuger und ist dauernd damit beschäftigt seine Küche zu renovieren (den Grund für dieses - zumindest ein wenig - bizarre Verhalten verrät er im Verlauf des Films); all sein Handeln und Tun steht im Zeichen des Vergessens, nur dazu gedacht, ihn abzulenken und nicht zurück zu zwingen in diese Welt, in dem ihm das wohl schlimmste zugestoßen ist, das sich ein Ehemann und Vater vorstellen kann - alles zu verlieren, was man liebt, und allein zurückbleiben zu müssen.
Diesen Charlie Fineman erkennt also nun unser Adam, und er beschließt, seinem besten Freund aus der Studienzeit zu helfen; das gestaltet sich schwieriger als gedacht, da mit seiner Vergangenheit auch einge Grundprinzipien moderner Gesellschaften (z.B. "klingle nicht nachts um 4 bei einem verheirateten Mann" oder "verwüste nicht die Praxis deines Freundes") verloren gegangen sind; aber während all seiner Versuche, den gebrochenen Charlie wieder aufzurichten, findet auch Adam wieder, so möchte man wenigstens meinen, zu sich selbst - und seiner Familie - zurück.
Und schließlich wird - spätestens - am Ende des Films auch noch dem Letzten klar, dass der von Pearl Jam verzapfte titelgebende Song (Let love)Reign Over Me, als mp3 Charlies ständiger Begleiter, sei es als Credo, Wunsch oder Forderung, in so manchem Menschenleben eine größere Rolle spielt, als man meint.
Wenn das mal keine Botschaft ist.
von aeskulap - veröffentlicht in: Filme
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Sonntag, 9. märz 2008
So, Zeit, endlich die schon seit Beginn des Blogs vorgesehene, aber streng vernachlässigte Kategorie Film einzuweihen. Und das nicht unwürdig mit dem soeben erstmals von mir gesehenen Superman Returns.
Man kann sich nicht helfen, durch den Titel unwillkürlich an Batman Begins erinnert zu werden, anstatt einer kompletten Neuerschaffung des Helden erlebt der Zuschauer bei Superman Returns ein rares Gut am Himmel der Comicverfilmungen: eine glaubhafte Fortsetzung mit einem zumindest halbwegs glaubhaften Helden.
Und das, obwohl der Superman nun nicht mehr durch Christopher Reeve, sondern einen durchaus würdigen, mir bis dato völlig unbekannten Nachfolger, nämlich Brandon Routh, dargestellt wird - und dass Sequels mit Neubesetzung (diesmal natürlich nicht vermeidbar) recht gern in die Hose gehen, wird einem spätestens beim Rückblick auf die zahlreichen, vollkommen zusammenhangslosen Batmanteile klar, die meiner Meinung nach eh erst mit Christian Bale den Sprung aus dem comichaft übertriebenen in eine halbwegs glaubwürdige, realitätsnähere Darstellung geschafft haben (Batman dient mir hier als Vergleichsobjekt, da mir von anderen Superhelden keine ähnlich lange Filmgeschichte vorliegt).
Allerdings überragt Superman den Fledermausmann in mindestens einem Punkt: Wer die alten Filme noch im Kopf hat glaubt den Übergang zum nahtlos anschließenden neuen Teil - mit etwa 30 jahren Zeitunterschied zwischen dem Debut des ersten Kinofilms und heute schon eine Leistung, die den Film sehenswert macht.
Denn wenn Superman nach 5 Jahren, die er mit der Suche nach Krypton, seinem Heimatplaneten verbracht hat, wiederkehrt und eine veränderte Welt, einen nun freien Lex Luthor (von dem später noch die Rede sein wird), und - viel schlimmer und wichtiger - eine verlobte Lois Lane (gespielt von Kate Bosworth), die auch noch einen 5jährigen Sohn und den in früheren Teilen so ersehnten Pulitzer (mit dem schönen Artikel "Why the world doesn't need Superman") gewonnen hat, hat der liebe Herr Kent so einige Probleme, sich wieder in die Welt des Daily Planet einzufinden (wieso arbeiten Superhelden eigentlic so oft als Reporter?). Das wäre natürlich alles weniger lustig, wenn sich nicht sein Erzfeind Luthor dem Wissen seiner Vorfahren bemächtigt und einen natürlich höchst gemeinen Plan ausgedacht hätte und die alte Liebesgeschichte mit Lois wieder entzündet würde - soviel zur Handlung, nun gleich weiter zu den Dingen, die an Superman schon immer genervt haben und die es auch in diesem Teil tun.
Zum einen ist da Supermans Beziehung zu Lois; das heimliche um-sie-herumgestehle und -gestalke als Clark Kent, den man - da er geschickt getarnt Brille und den Scheitel auf der anderen Seite trägt - natürlich nicht als Superman erkennt, das nun durch ihre bevorstehende Heirat nur noch unangenehmer für biede (und den Zuschauer) wird.
Dann ist Lex Luthor, obwohl von einem brillant saloppen Kevin Spacey gespielt (vermutlcih kann nur dieser Mann dermaßen gelangweilt über das Töten von Milliarden Menschen reden und Gene Hackmanns Nachfolge dementsprechend würdig antreten), wieder einmal nicht aufgrund wirrer oder nicht durchführbarer Ideen zum Scheitern verurteilt, oder gar durch Supermans Überlegenheit - nein, wieder einmal wird das Scheitern des Bösewichts durch die Auswahl sichtlich unfähiger Gehilfen bedingt.
Außerdem wird einem in der Zeit der Computeranimation von Marvel-Superhelden, die alle in ihren Fähigkeiten recht beschränkt sind, wieder einmal klar, dass Superman ein schon älteres Hirngespinst darstellt und daher mit einigen (logisch zwar begründbaren, aber doch etwas unglaubwürdigen) voneinander abweichenden Fähigkeiten bestückt ist - zum einen ist er stark, dann gibt es den Röntgenblick, den Laserblick, die Superpuste, den Supereisatem, außerdem kann er natürlich fliegen, braucht keine Atemluft; hätte man sich nicht das Kryptonit ausgedacht, würde diese gefühlte Unschlagbarkeit sehr, sehr langweilen.
In Verbiindung mit Supermans Stärkte stört übrigens auch ein andere Phänomen - er guckt beim Heben eines Flugzeugs ähnlich angestrengt wie beim Stemmen einer ganzen Insel; also bitte, da sollten doch irgendwo auch für einen Supermann mit Superkräften Relationen herrschen.
Nun könnte man sich fragen, warum man sich, nach all dem Negativen, den Film überhaupt anschauen sollte - ganz einfach: Superman wirkt mindestens dreimal überzeugender als die Fantastic Four, Spiderman und die Xmen zusammen. Nicht nur wird er von einem fast schon herausragend in diese Rolle passenden Brandon Rough gespielt, der vermutlich das ein oder andere Herz höher schlagen lässt und auf dessen Seite sich der Zuschaueer fast sofort schlägt, sondern auch die Special Effects sind imposant, passen zum Konzept des Superman und wirken, mit Ausnahme weniger Flugszenen, die deutlich als animiert erkennbar sind, rund und verhältnismäßig glaubhaft.
Ist Superman Returns also zu empfehlen? Nun ja, sagen wir es einmal so: Lässt man sich von gefühlten Parallelen zu religiösen Heilslehren und einer zumindest in ihrem Ende total vorhersehbaren Story nicht abschrecken, interessiert sich für die weitere Supermangeschichte oder mag endlich einmal einen Helden sehen, mit dem man fast bedingungslos sympathisieren kann, dann darf man sich den Film gern ausleihen und wird sich danach sicher nicht ärgern.
von aeskulap - veröffentlicht in: Filme
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Mittwoch, 5. märz 2008
Kaum eine Stoffgruppe wird von uns so falsch eingeschätzt wie die Zucker - kein Wunder, begegnet uns doch in jeder Werbepause irgendein "Zuckerfreies" und dadurch garantiert vielfach gesünderes Produkt,  werden wir überall darauf hingewiesen, dass "die bösen Kohlenhydrate" ja der sprichwörtliche Feind unseres Gesundseins seien und man sich davon gefälligst fernzuhalten habe.
Allerdings - wieviel Wahrheit steckt hinter all diesen Aussagen? Das ein wenig zu beleuchten ist Aufgabe dieses kleinen Artikels.
Zuallererst müssen wir uns ein wenig durch die Biochemie zwingen, allerdings nur grob und laienhaft, und zwar mit folgender Frage: Warum heißt ein Kohlenhydrat eigentlich Kohlenhydrat? Grund dafür ist eine (zwar falsche, aber auch heute noch oft gelesene) Schreibweise der chemischen Summenformel dieser Verbindungen als Cn(H2O)n, also einer Menge n Kohlenstoffatome, gebunden an n Wassermoleküle (Hydrate). Das ist natürlich Humbug, da Wasser sich nicht einfach so an Kohlenstoff bindet, korrekt muss man also das H2O in seine zwei Komponenten, eine H- und eine OH-Gruppe aufschlüsseln..Das verkneifen wir uns allerdings nun einmal und schauen uns die Zuckermoleküle an: Wir stellen fest, dass wir verschiedene einfache Zuckerbausteine besitzen, von denen der bekannteste die Glukose sein sollte - der gute alte Traubenzucker nämlich.
Diese Grundbausteine verbinden sich nun zu Zweifachzuckern (den Disacchariden, di=zwei), unter die z.B. auch die Saccharose fällt, jenes Molekül, dass bei uns als "Zucker" bekannt ist; das sollte man sich merken, denn wenn wir hier zum Beispiel Cola light trinken, oder zuckerfreies Kaugummi kauen, dann enthält das immernoch Zuckermoleküle - nur nicht mehr die Saccharose, für die sich der Begriff hierzulande eingebürgert hat. Daher ist Zuckerfrei nicht gleichbedeutend mit "nicht dick machend" oder "besser für die Zähne".
Die einzelnen Zuckerbausteine bilden sogar ganze Ketten, riesige Moleküle, "Polymere" quasi (der Begriff "polymerisieren" ist sicher allen von uns schonmal irgendwo über den Weg gelaufen und beschreibt nichts anderes als das Aneinanderfügen kleiner Basisbaueinheiten zu einem großen Ganzen), das Glykogen in unseren Muskeln, die Stärke in der Kartoffel, die Cellulose in den Pflanzenfasern. Interessant hierbei ist, dass Cellulose das Polysaccharid (hier finden wir wieder griechische Vorsilben, diesmal poly=viele) darstellt, das wir mit unserem Enzymen im Darm nicht verdauen bzw. aufschlüsseln können - da sie Ballast für unser Verdauungssystem darstellen bezeichnet man die Unverdaulichen Cellulosefasern auch als "Ballaststoff". Interessant zu wissen ist, dass Kühe und - allgemeiner - grasene Tiere das ebensowenig können; die haben allerdings den Pansen, wo sich fröhlich Bakterienpopulationen tummeln, die das für sie erledigen und die Endprodukte dann wieder der Kuh zur Verfügung stellen.
Soviel zu den Grundlagen, viel mehr brauchen wir nicht, um uns nun anzusehen, wofür wir Zucker eigentlich benötigen, die Antwort darauf fällt sogar recht kurz aus:
Der Hauptgrund, aus dem wir von zu viel Zucker dick werden, ist seine Rolle als Energieträger - Zucker stellen die zweitwichtigsten Energiespeicher unseres Körpers dar und sind überlebenswichtig (und das wohl auch schon recht lange, weswegen unser Körper - danke, Evolution! - sie auch alle selbst herstellen kann, im Gegensatz zu einigen Fett- und Aminosäuren).
Aber was passiert nun eigentlich genau, wenn wir Zucker zu uns genommen haben? Diese Frage ist interessant, die Antwort ebenso, allerdings ist der ganze Kreislauf, den ich nun hier zu schildern versuche, möglichst ohne den Leser komplett zu verlieren, nicht ganz so einfach.
Nach dem Essen gelangt die Nahrung, und mit ihr der Zucker, zuerst in den Magen und dann in den Darm; hier werden die Zuckermoleküle durch Enzyme, z.B. die Lactase (das wird Menschen wie mir, die dieses Enzym nicht besitzen, immer wieder einmal unangenehm bewusst), zu den Grundbausteinen abgebaut und dann über die Darmwand aufgenommen. Von dort gelangen die Zucker ins Blut und dann in Richtung Leber.
Nun wird unser Hormonsystem aktiv: Es registriert, dass sich mehr Zucker in unserem Blut befindet, als vorgesehen (der Normalwert beträgt 80-120 mg/dl), und schüttet ein Hormon aus: Insulin. Dieses für Diabetiker so wichtige Hormon (zu Diabetes folgen später noch ein paar Sätze) regelt nun das Senken des Blutzuckerspiegels, indem es die vermehrte Aufnahme der Glukose ermöglicht: In der Leber als auch den Muskeln wird aus dem überflüssigen Zucker Glykogen synthetisiert, die tierische Zuckerspeicherform.
Dieses Glykogen steht uns dann später wieder zur Verfügung, wenn wir nicht mit Zucker überversorgt sind und unser Blutglukosespiegel unter den erwähnten Sollwert sinkt - dann wird Glukagon ausgschüttet, das unter anderem einen vermehrten Glykogenabbau in der Leber sowie die Glukoneogenese, also das herstellen von Zucker aus anderen Molekülen, in der Leber, der Nebennieren und dem Darm, bewirkt, um wieder genügend Zucker für das Erreichen eines normalen Wertes ins Blut zu bekommen.
Man könnte nun denken, dass das ja nicht allzu schwer sein sollte - immerhin haben wir ja knapp 20-25kg Muskeln im Körper, da ist doch auch eine Menge Glykogen drin; das stimmt zwar, allerdings sind Muskeln sehr eigensinnig - Glykogen, das sie bilden, steht ausschließlich dem Muskel selbst zur Verfügung und gelangt nicht mehr zurück ins Blut. Die Aufgabe, unsere Organismus zu versorgen, fällt also wieder einmal der Leber zu, die einmal mehr ihrem Ruf als "Stoffwechselorgan schlechthin" gerecht wird.
Bisher ist allerdings eine Frage unbeantwortet geblieben: Wieso eigentlich Zucker nehmen, wenn man doch auch Fett haben kann? Immerhin sind Fette weitaus energiereicher (und entstehen sogar aus Zuckern..).
Das Ganze hat zwei einfache Gründe: Erstens brauchen wir den Zucker für unsere roten Blutkörperchen, die Erythrozyten. Die haben nämlich leider nicht mehr die Möglichkeit (da sie sich ganz auf den Transport des Sauerstoffs spezialisieren und überflüssige Teile der so ausgefuchsten Zellmaschinerie inaktivieren und abbauen) Fettsäuren abzubauen und sind daher auf genug Glukose im Blut angewiesen.
Zweitens wird unser Gehirn über Zucker ernährt, da Fettsäuren die berüchtigte Blut-Hirn-Schranke, also jenes kaum penetrierbare Gebilde, an dem so viele potentielle Medikamente scheitern, nicht durchdringen können; Zucker hingegen kommen durch (und auch Ketonkörper, aber das führt nun zu weit).
Nun fehlen noch ein paar Bemerkungen, dann hätten wir den Ausflug in die Wirren der Medizin wieder einmal hinter uns:
Zum einen steht noch die Frage im Raum, was denn aus den ganzen anderen Zuckern wird, da ja oben ständig die Rede von Glukose ist: Andere Zucker gehen durch Umwandlung oder teilweisen Abbau letztendlich auch in den Glukosestoffwechselweg ein und haben daher ähnliche Wirkung (auch ein Grund, warum nicht nur Glukose dick macht).
Zum anderen kann man sich fragen, ob Zucker denn nun gegessen werden sollte, und wenn ja, wie. Dazu sei einmal gesagt, dass man Ballaststoffe auf jeden Fall in ausreichender Menge (das sollten etwa 25-30g/Tag sein, Ballaststoffe, nicht Zucker!) zu sich nehmen sollte, allein schon zur Unterstützung der Darmtätigkeit; kleinere Zuckermoleküle nimmt man zwangsweise eh mit der Nahrung auf, und da unser Organismus sie auch neu bilden kann sind sie nicht zwangsweise notwendig; und wer sich nun den Freispruch dazu, unter der Prämisse des "Kohlenhydrate sind wichtig!", ein ganzes Glas Nutella zu futtern, holen möchte, ist hier falsch - derartige Mengen tun dem Körper wenig Gutes; der Seele ab und an vielleicht schon.
Zum Schluss sei noch auf zwei mit Zuckerkonsum assoziierte Erkrankungen verwiesen:
Einmal die Karies, die uns allen ja allein schon wegen der Angst vorm zahnärztlichen Bohrer, erschrickt: Es hat sich gezeigt, dass es prophylaktisch sinnvoller ist, lieber 1x am Tag eine ordentliche Portion Süßes zu sich zu nehmen, als mehrmals über den Tag verteilt (das hat mit dem pH-Wert im Mund zu tun..). Also wenn schon Süß, dann bitte auf einen Schlag.
Und, abschließend, zum Diabetes, der Krankheit, von der heutzutage eigentlich jeder schon gehört hat, von der man aber meist kaum mehr weiß als den Namen: Diese Erkrankung (Hauptsymptome: häufiger Harndrang, anhaltender Durst, Gewichtsverlust, Müdigkeit, Leistungsminderung, alles bedingt durch einen krankhaft erhöhten Blutzuckerspiegel, bedingt durch das Fehlen von Insulin, dem einzigen Blutzuckersenkenden Hormon) verfolgt immer öfter auch junge und mit strenger Regelmäßigkeit ältere Menschen - außerdem finden sich selten internistische Patienten, die nicht auch einen (hier krankheitsbedingten) Diabetes aufweisen. Man unterscheidet hier zwei verschiedene Typen: Einmal den Typ I Diabetes, den absoluten Insulinmangel, der dadurch bedingt ist, dass die Insulinproduzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse absterben; Therapie der Wahl ist hier eine lebenslange Gabe von Humaninsulin. Beim Typ II Diabetes liegt ein relativer Insulinmangel vor, das heißt, dass die Zielzellen des Insulins unempflinlicher werden - bei gleicher Insulinproduktion wird also deutlich weniger Wirkung erzielt. Diese Erkrankung ist typisch für ältere Menschen und ließe sich meist auch durch diätetische Maßnahmen in den Griff bekommen.
Am Ende bleibt nur zu sagen, dass Zucker, in rauen Mengen, durchaus das Potential hat, uns krank zu machen; in kleinen, wohl dosierten allerdings macht er uns nicht nur gesünder - sondern, den Endorphinen sei dank, auch glücklich.
von aeskulap - veröffentlicht in: Studium
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Montag, 3. märz 2008
Er war eine der bestimmenden Gestalten der turbulenten Geschehnisse Frankreichs zur Zeit der französischen Revolution und der napoleonischen Herrschaft, ein Strippenzieher, Intrigant, und ist durch sein Bestreben, im Hintergrund und fernab der Öffentlichkeit zu agieren, wohl auch heute noch eine der unterschätztesten Figuren der Weltgeschichte - so zumindest Stefan Zweig über den Chrakter, dessen Beschreibung dieser biographische Roman dient.
Zweig widmet hier seine, spätestens nach der Lektüre dieser Chrakterdeutung, besondere Fähigkeit, aus historischen Zeugnissen und allerlei Quellen mit viel Psychologie und Menschenkenntnis, die Persönlichkeit eines lange verstorbenen Menschen aus den Tiefen der Geschichte zu heben und für den Leser lebendig werden zu lassen, einem seiner Meinung nach sehr speziellen Charakter, nämlich dem des Diplomaten, des ewig Umfallenden, der sein Fähnchen Zeit seines Lebens immer wieder neu nach dem Wind hängt, am Beispiel des Joseph Fouché; einem der pragmatischen Taktierer, denen die Geschichte am Ende ihres Lebens nicht durch Lobeshymnen oder Hasstiraden, sondern, viel grausamer, durch Vergessen danken wird.
Fouché, Sohn eines Händlers, wird 1759 in Nantes geboren; später Ordensmann und Dozent der Mathematik und Latein in einem kleinen Kloster, scheint es nicht so, als plane das Schicksal großes mit ihm - doch als die französische Revolution beginnt, sieht er seine Chance, in das Geschäft der Machtspiele, die Politik einzutreten, und beginnt eine wohl beispiellose Karriere, die sich vor allem durch seine konstanten Positionen unter verschiedenen Machthabern auszeichnet (ermöglicht durch einen kompletten Mangel an Idealen und Prinzipien), und in der er zwei der großen Persönlichkeiten der Weltgeschichte erfolgreich die Stirn bietet, Robespierre und Napoleon, deren Untergang er durch seine Hinterhältigkeit besiegelt - doch betrachten wir seine Geschichte, zumindest deren Beginn, etwas genauer:
Einmal im Rang eines Deputierten zum Nationalkonvent, ist er eine unscheinbare Figur; allerdings beginnt er schon jetzt, seine Arbeit abseits der Öffentlichkeit, im Hintergrund, dort, wo er Zeit seines Lebens am freiesten und meisterlichsten agieren wird, aufzunehmen; er wählt, nachdem klar ist, dass die Jakobiner um Robespierre die dominierende Partei darstellen, folgerichtig in Richtung der Macht hängend, den Kurs des radikalen Revolutionärs, verfasst sogar das erste kommunistische Manifest, und macht sich einen - wenn auch traurigen - Namen als er abkommandiert wird, den Aufstand in Lyon niederzuschlagen und die Stadt mit ihrer Vernichtung zu strafen; von nun ab kennt man ihn als den "Mitrailleur de Lyon", den Radikalsten der Radikalen, der hunderte Menschen im Namen der Revolution kaltblütig hinrichten ließ.
Im laufe der Geschichte wird er auch, durch sein "ja" im Konvent bei der Abstimmung über die Enthauptung Ludwigs XVI., zum Königsmörder; beide Taten werden ihn bis zum Ende seines Lebens verfolgen, das in Zukunft von einem erstaunlichen Wechsel ungeheuren Einflusses und politischen Ausgegrenztseins geprägt wird; Zweig führt gerade die Tatsache, dass Fouché so oft als politisch tot gilt und sich trotzdem immer wieder aufschwingt, in die Politik zurückzukehren, um "den Finger im Brei" zu haben, für die Wandlungsfähigkeit seines politischen Idealismus (immerhin wird er vom Radikalen zuerst zum gemäßigten Republikaner, zum Minister des Direktoriums, dann des Kaisers, und am ende sogar Minister des Königs), aber auch für seine durch einen klaren und berechtigten Geist begründete Nützlichkeit an.
Überhaupt ist das gesamte Buch geprägt von Zweigs augenscheinlicher Faszination mit diesem Phänomen Fouché, die er wohl von Balzac, der sich ebenfalls schon mit diesem Menschentyp beschäftigt und Fouché in seiner, wenn man es so nennen will, Außergewöhnlichkeit erkannt hat; in Verbindung mit Zweigs lebhafter Geschichtsdarstellung, die sich, wie auch in anderen Werken, so liest, als sei er nicht Chronist von lange vergangenen Ereignissen, sondern sei selbst anwesend gewesen, den Akteuren der damaligen Zeit unsichtbar über die Schulter schauend, macht dies "Joseph Fouché: Bildnis eines politischen Menschen" zwar nicht zu einem außergewöhnlichen Werk der Weltliteratur, sicher aber zu einer ausgezeichneten Biographie, die nicht nur Einblicke in den Protagonisten, sondern auch in die Turbulenzen der damaligen Zeit, in die Persönliichkeiten Napoleons, Talleyrands, Dantons, Robespierres und ihre Politik gewährt.
von aeskulap - veröffentlicht in: Bücher
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Sonntag, 2. märz 2008
Sie ist Zweigs populärstes Werk, und zugleich das nach seiner Meinung wohl am wenigsten dauerhafte seiner Bücher: die Schachnovelle, seine erste wirkliche literarische Abhandlung zeitgenössischer politischer Entwicklungen.
Erschienen 1942, dem Jahr seines Selbstmords, gehört sie zu seinen letzten Veröffentlichungen und spiegelt einmal mehr seine erzählerischen Fähigkeiten - auf nicht mehr als 110 Seiten schildert Zweig, zur Goetheschen Novellentheorie, die als zentralen Punkt eine künstlerische Bearbeitung einer "unerhörten Begebenheit" fordert, passend, das Aufeinandertreffen zweier grundauf verschiedener Schachspieler und verarbeitet gleichzeitig das Thema der wortwörtlichen nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.
Der erschreckend unspektakuläre Ort der Handlung ist ein Atlantikdampfer, auf dem der Ich-Erzähler, über den wir nicht sehr viel erfahren, die Anwesenheit des derzeitigen Schachweltmeisters entdeckt; es gelingt ihm schließlich, eine Partie zwischen dem für seine eigentliche geistige Trägheit bekannten Weltmeister, über dessen Entdeckung und Natur als dümmlicher ehemaliger Bauernjunge mit einem die Restwelt erstaunenden Talent für das Spiel der Könige man durch den Erzähler erfährt, und einigen Schachbegeisterten zu arrangieren.
Dass die Laien mit der Versiertheit des arroganten Gegners überfordert sind und Partie um Partie verloren geben müssen, verwundert nicht sehr, allerdings greift plötzlich ein Unbekannter in das Geschehen ein und zwingt dem berühmten Gegner ein Unentschieden auf - nur um sich danach so schnell zurückzuziehen, wie er erschienen ist.
Das genügt, die Neugierde des Ich-Erzählers zu wecken, der den seltsamen Österreicher, einen Dr.B. verfolgt und von ihm eine abenteuerliche Geschichte hört: Der ehemalige Verwalter der Finanzen hochrangiger Österreicher sei von den Nationalsozialisten eingesperrt und regelmäßig verhört worden. Die Natur seines Gefängnisses, die vollkommene Abgeschiedenheit von der Außenwelt über lange Zeit, habe er nur aufgrund eines kleines Büchleins mit 150 Meisterpartien, die er auswendig lernte, überstanden; dies habe ihn allerdings in ein Nervenfieber getrieben, das ihn bis heute gezeichnet zurückgelassen hat.
Er willigt ein, noch eine einzige Partie, gegen den Weltmeister zu spielen, aber nur, um herauszufinden, ob das damals noch "Spiel war oder schon Wahnsinn".
Die in eine Buchbesprechung eigentlich gehörende Beschreibung des Buchendes und der sprichwörtlichen "Moral von der Geschicht", die sich daraus ergibt, spare ich mir an diesem Punkt, um die Handlung nicht noch uninteressanter zu machen, als ich sie durch die ausführliche Schilderung oben schon gemacht habe; glücklicherweise bleibt uns immernoch eine kurze Betrachtung von Struktur und vielleicht auch Intention.
Wie es sich für eine Novelle gehört, finden sich auch hier beträchtliche Polaritäten, die Zweig erschafft, indem
er verschiedene Welten einander gegenüber stellt - eine freie, humane, intellektuelle, verkörpert einerseits durch Dr.B. als auch die Freiheit des Ortes, an dem er die Novelle spielen lässt, und eine unfreie, unmenschliche und (auch geistig) beschränkte, versinnbildlicht sowohl durch den gedankenarmen Schachweltmeister als auch durch die Enge und psychische Gewalt des Nazigefängnisses; er greift hierbei erstmals die Zeitgeschichte auf, die nicht nur seine Welt, sondern auch ihn, und in nicht so naher Zukunft auch sein Leben, an seine Grenzen treiben wird.
Schließlich bleibt zu erwähnen, dass auch Zweigs klare Sprache, sein flüssiger Erzählstil, der einen kaum freiwillig das Buch aus der Hand legen lässt, sowie die interessante Konzeption des Handlung mit dem Einschub der Geschichte B.'s dafür sprechen , diese Novelle unbedingt einmal zu lesen.
von aeskulap - veröffentlicht in: Bücher
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Sonntag, 2. märz 2008
So, die Kategorie ist eröffnet, nun gehts ans Eingemachte - heut erstmal ohne Symptome, dafür aber mit einigen Fakten, die das Waschen der Hände betreffen. Ich warne euch schon einmal vor - danach seht ihr eure Mitmenschen vermutlich mit anderen (vor allem skeptischeren) Augen.
Vermutlich pflichtet mir nun die komplette männliche Leserschaft bei, wenn ich nun sage, dass wir alle schon einen bestimmten Typus Mensch erlebt haben - und zwar den, der uns auf Toiletten begegnet und das Händewaschen "vergisst". Aber das sind ja ganz, ganz wenige. Oder vielleicht doch nicht?
Die Statistik verrät uns, dass 30% der Deutschen sich nach Benutzung der Toilette nicht die Hände waschen - obwohl 90% der Befragten gegenteiliges behaupten. Aber das ist ja nur die Spitze des Eisberges.
Wie schauts mit dem Streicheln von Tieren aus? Immerhin tragen die meisten Haustiere (ohne uns damit böses zu wollen, natürlich) kleine Freunde spazieren, zum Beispiel Salmonellen. Oder auch etwas größere Freunde, Flöhe vielleicht, Zecken. Und wir alle wissen, dass junge Tiere, ganz besonders Welpen, vor allem eines im Körper haben: Würmer.
Was verrät uns die Statistik dazu? Satte 50% der Menschen halten es nicht für nötig, sich nach Tierkontakten die Hände zu waschen; erwähnenswert ist das z.B. auch in Verbindung mit Zoonosen, also von Tieren auf Menschen übertragbaren Krankheiten. Derer gibt es gar nicht so wenige..
Was fehlt uns denn nun noch? Ahja, richtig, Niesen und Husten. Wer von uns kennt das nicht? Man ist irgendwo in der Öffentlichkeit, und ein alter Mensch oder ein kleines Kind fangen schlagartig an, zu husten oder zu niesen - ohne sich die Hand vor den Mund zu halten. Und damit sind sie in guter Gesellschaft - gut ein Drittel der Deutschen halten das offenbar für unnötig. Nun könnte man berechnen, wie viele derjenigen, die es doch schaffen, sich danach auch irgendwann die Hände waschen..
Wer sich nun denkt, dass derartige Menschen in seiner Umgebung quasi nicht vorkommen und er auf Toiletten und im Büro sicher sei, den weise ich gern noch auf zwei kleine Fakten hin: Im menschlichen Kot leben etwa 120 verschiedene Viren, einschließlich Hepatitis A. Beim Betätigen der Spülung spritzen Wassertropfen, die mehr als 600.000 Bakterien und 25.000 Viruspartikel enthalten als Aerosol in die Luft; das lässt sich auch durch das Schließen des Deckels nicht vermeiden, da das Aerosol dann beim nächsten Öffnen austritt. Und nun ratet mal, wo sich das Ganze so überall niederschlägt. Und stellt euch eine wichtige Frage, nämlich: Wo steht eure Zahnbürste?
Übrigens findet man auf 60% der Kaffeebecher in Büros coliforme Bakterien. 15% davon sind sogar das Original, Escherichia coli - zu finden sonst nur in unserem Darm. Lecker.
von aeskulap - veröffentlicht in: Hypochonderecke
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