Sonntag, 13. april 2008
Jaha, heute wage ich mich weit hinaus, in die Welt der Religion nämlich; primär, weil es auch einmal gilt, die eigene Wirklichkeitsauffassung ein wenig darzulegen, immerhin ist ein blog ja gerade dazu da, ein wenig der eigenen Gedankenwelt verschriftlich in die Welt hinaus zu werfen.
Die meisten Menschen glauben heute an etwas, sei es Gott, das fliegende Spaghettimonster oder eben, dass es diesen Gott gar nicht erst gibt; letztlich krankt allerdings gerade die letzte Auffassung dadurch, dass sie sich dem verleugneten Überwesen und dem Beweis seiner Nichtexistenz so exzessiv widmet; immerhin sind die erbrachten Beweise der Existenz und Nichtexistenz rein wissenschaftlich allesamt nicht 100% falsifizierbar.
Für jene, die das nicht stört, wird die Existenz Gottes oder eben die Ablehnung dieser Annahme zur dogmatischen Lebensauffassung - darin unterscheiden sich beide Antipoden schonmal nicht.
Mir persönlich kam die Versteifung auf zwei Gegensätzliche, bisher nicht beweisbare Annahmen, schon immer sehr seltsam vor - letztlich sind beide Konzepte Annahmen, denen man sich, je nach persönlicher Prädisposition, eben unterordnet, was sie nicht davon abhält, das zu tun, wofür der Mensch sie erfunden hat: dem Leben irgendwo einen Sinn zu geben nämlich.

Was bleibt jemandem also, der sich diese beiden Antithesen anschaut, und feststellt: "Zum momentanen Zeitpunkt ist das alles nicht beweisbar."?
Die Antwort stellt der Agnostizismus dar, eine Strömung, deren Grundannahme die Nichtbeweisbarkeit der Existenz eines höheren Wesens darstellt, und die sich dadurch den leidigen Grabenkämpfen, denen man sich desöfteren Ausgesetzt sieht, elegant entledigt.
Allerdings unterscheidet man hier jene, die wie ich glauben, dass der Beweis für oder gegen Gott womöglich doch irgendwann in ferner Zukunft endgültig erbracht werden kann (schwacher Agnostizismus) und solche, die das generell für unmöglich halten, da sich die Fragestellung der menschlichen Begriffsmöglichkeit komplett entzieht (starker Agnostizismus).
Interessant am Agnostizismus ist nun, dass er durchaus einräumt, dass ein Beweis, der 100% falsifizierbar ist, wenn er denn jemals gefunden werden sollte, die persönlichen Realitäten deutlich verändern wird; die Überzeugung, dass selbst die Existenz Gottes, wäre sie bewiesen, keinen Punkt unserer Existenz beeinflussen würde, eine vom Agnostizismus abweichende Strömung also, bezeichnet man dann als Ignostizismus.

Warum ich nicht empfänglicher für die Idee eines Überwesens, dem ich alle Schuld an den Problemen des Lebens, an jeder falschen Entscheidung zuschieben könnte, und das mir die Fehler, die ich selbst mir nicht zu vergeben im Stande bin, freudig vergibt, wie es vom Christentum propagiert wird, ist mir selbst nicht ganz klar; es mag daran liegen, dass das, was ich vom Leben fordere, vor allem Antworten, begründete, verständliche und überprüfbare Antworten, sind. Und die finden sich in der religiösen Grundsatzdebatte eben selten.
Vielleicht verpasse ich da was. Vielleicht auch nicht. Dafür fehlen aber wieder die Beweise...


von aeskulap veröffentlicht in: Allgemeines
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