Der Frühling lässt sein blaues Band wieder einmal flattern, die Sonne scheint, die Vögel zwitschern - es wird warm in Deutschland. Und nicht nur das, es wird immer wärmer, wie uns die mittlerweile
kaum mehr bestreitbaren Daten der verschiedenen Umweltorganisationen und Klimainstitute deutlich zeigen.
"Schön", denkt man sich, "weniger Kälte ist doch toll" - stimmt schon, nicht frieren hat einen Vorteil, aber man vergisst allzu leicht, dass eine Erwärmung unserer Umgebung nicht nur unserer Art
das Leben erträglicher macht - auch andere Tiere mögen die Wärme und dringen immer weiter in vorher für sie nicht besidelbare Gebiete vor.
Eines davon ist die Anophelesmücke - diese eigentlich hauptsächlich in tropischen Regionen beheimatete Art ist zur Zeit dabei, einen neuen Kontinent zu erobern: Europa. Mehr Mückenstiche oder
Konkurrenz zu den einheimischen Arten wäre ja nun kein großes Problem, wofür hat der Europäer kleine Helfer wie den Azaronstift oder das Fenistilgel, allerdings zeichnet die Anophelesmücke eine
Besonderheit aus: Sie kommt nicht allein. Als Wirt einiger Plasmodienarten (das sind kleine, parasitär lebende Bakterien) dient sie gleichzeitig als Vektor (sprich verbreitende Größe) der Malaria;
Anopheles nimmt also nicht nur unser Blut mit, sondern lässt uns im Gegenzug seine Freunde da.
Und die machen unserem Immunsystem dann ordentlich zu schaffen.
Interessant ist, dass uns Deutschen, obwohl auch hier endemische, sprich hier erworbene Malariainfektionen bis in die 50er Jahre durchaus noch vorkamen, die Malaria heute nur noch aus dem Fernsehen
bekannt ist (außer wir gehören zu den wenigen Unglücklichen, die sich die Krankheit auf einer Reise in gefährdete Gebiete eingefangen haben); wer weiß denn noch, was mit dem Wort Malaria auf einen
zu kommt?
Das ist nicht nur bezeichnend dafür, dass unser Gesundheitssystem und die prophylaktischen Möglichkeiten bei Auslandsreisen (einen Impfstoff gibt es noch immer nicht) recht gut funktionieren,
sondern auch für unsere Ignoranz vor den Dingen, die in der Welt passieren.
Denn, auch wenn diese Krankheit hier nicht Teil unserer Lebensrealität ist, so doch in vielen anderen Gebieten: Weltweit erkranken im jahr 500 Millionen Menschen an Malaria, eine Million davon
stirbt an dieser Erkrankung - und bei dieser Million handelt es sich vorwiegend um alte Menschen - und Kinder.
Das ist nun wohl der richtige Moment, um kurz genauer auf die Malaria einzugehen.
Man unterscheidet bei Malaria drei verschiedene Subtypen:
Malaria tropica, die schwerste Verlaufsform, Malaria tertiana und die Malaria quartana. Gemeinsam ist allen Infektionen eine primäre Besidelung der roten
Blutkörperchen durch die Plasmodien, die dann zu den entsprechenden Symptomen und Komplikationen führt, die sich bei den einzelnen Malariaarten etwas unterscheiden.
Malaria tropica beispielsweise ist gekennzeichnet durch Fieberschübe, Anämie (also Blutarmut, logisch, da die sauerstofftransportierenden Erythrozyten ja geschädigt werden), Hämoglobinurie (also
das ausscheiden von Hämoglobin, das für die rote Farbe des Blutes verantwortlich ist, durch den Urin, der sich dadurch schwärzt, was der Krankheit auch den Beinamen Schwarzwasserfieber eingebracht
hat), die mit Nierenschäden einhergeht, sowie Zuckerarmut des Blutes (die bis zum Koma führt) und häufig neurologischen Komplikationen.
Malaria tertia und quartana zeichnen sich ebenfalls durch Fieber (bei M.tertiana in einer charakteristischen
Dreitagesrythmik) und Beteiligung bzw. Schädigung des ein oder anderen Organs aus.
Eine "Hilfe" für das Überleben dieser Krankheit stellt interessanterweise eine andere Erkrankung, die Sichelzellanämie dar, bei der die Erythrozyten eine charakteristische Form (durch Schädigung
des Zytoskeletts, also der Struktur, die die Form und Stabilität der Zelle garantiert) aufweisen und den Plasmodien nicht ausreichend als Wirtsumgebung dienen können - daher findet man diese
Erbkrankheit auch in den betreffenden Malariagebieten in einer die statistische Erwartung weit übertreffenden Menge.
Die medikamentöse Therapie von Malaria ist heute zwar möglich (und in den meisten Fällen auch erfolgreich) und nach westlichen Gesichtspunkten günstig, in den Ländern, in denen Malaria primär
auftritt, sind Medikamente allerdings rar und kaum bezahlbar. Das liegt nicht zuletzt daran, dass die Profitspanne bei Malariamedikamenten, eben weil sie ihren Absatzmarkt primär in armen Regionen
haben, nicht sehr groß ist; Produktion und Forschung an Mitteln gegen Haarausfall oder gegen Impotenz sind für die pharmazeutische Industrie mit weit mehr Profit verbunden. Wirtschaftlich ist das
Nichtproduzieren von von Malariamedikamenten also mindestens so sinnvoll, wie es ethisch verwerflich ist.
Und vielleicht gerade deshalb hat die WHO vor ein paar Jahren ein Programm gestartet, in dem der Malaria der Kampf angesagt wurde, und dessen Ziel ein hochgestecktes ist: keine Todesfälle durch
Malaria im Jahr 2010 nämlich. Nun, im Jahr 2008, lässt sich eine erste Bilanz dieser Unternehmung, die an verschiedenen Fronten kämpft (das fängt bei der Bekämpfung des Vektors an und hört bei der
Subventionierung von Medikamenten sowie Aufklärungskampagnen auf) ziehen, mit einem fast vernichtenden Ergebnis: Die Zahl der Neuinfektionen ist gestiegen, die Zahl der jährlichen Todesfälle
ebenfalls. Das liegt nicht zuletzt daran, dass die Armut, bedingt durch steigende Preise und Rohstoffknappheit, in den betroffenen Gebieten zugenommen hat - ein weiterer trauriger Beweis für die
Enge Verknüpfung von
Gesundheit und finanziellem Wohlstand Krankheit und Armut.
Und ein weiterer Beweis dafür, dass wir dem hohen Anspruch an eigene Menschlichkeit, den wir uns als Weltgemeinschaft selbst diktiert haben, noch lange nicht gerecht geworden sind.