Montag, 10. märz 2008
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"Brot und Spiele", wer hat diese Phrase nicht schonmal gehört - immerhin ist dieses Grundrezept des politischen "das Volk bei der Stange"-haltens alt wie die europäische Kultur selbst; und auch
heute aktuell wie eh und je.
Natürlich klingt es erst einmal flach, dieses "Brot und Spiele", zu lapidar, um tatsächlich fundamentale Grundwahrheiten des menschlichen Verhaltens ausdrücken zu können; immerhin kann man uns
komplexe Lebewesen und unser Zusammenleben doch nicht auf zwei Schlagworte reduzieren. Oder etwa doch?
Betrachten wir erst einmal, was es eigentlich mit
panem et circenses auf sich hat: Am Lateinischen lässt sich schon vermuten, dass es sich wohl um eine zur Zeit des römischen Reiches
geprägte Phrase handelt, und wenn man gedanklich so weit ist, geht einem auch auf, dass die Übersetzung von
circenses als Spiele eigentlich nicht ganz korrekt ist - richtiger wäre es,
Zirkusspiele zu schreiben. Aber gehen wir einmal einen Schritt weiter und suchen den, der diesen Ausdruck prägte (man sieht, heute hagelt es wieder Wissen, mit dem man an Kneipenabenden glänzen
könnte): Wir finden ihn in einer Satire des Dichters Juvenus, in der er das römische Volk anklagt, alle politische Autarkie an Feldherren und andere Führer abgetreten zu haben, nun nur noch fähig,
sich ängstlich Brot und (Zirkus-)Spiele zu wünschen, verfasst gegen Ende des 1. Jahrhunderts.
Man hätte auch vermuten können, dass es einer sozusagen prämachiavellistischen Anleitung zum Regieren aus dieser Zeit entstammt, denn in der Tat ist uns die römische Zivilisation ja unter anderem
für die von seinen Führern errichteten großen Amphitheatren und Arenen, die zum Teil die Zeit bis heute überdauert haben, bekannt - dass man, um Ruhe vor dem Volk zu haben, selbiges politisch und
sozial bei der Stange halten muss, sei es durch aggressivere Außenpolitik (Krieg lenkt, wie wir am Beispiel der USA sehen können, auch heute noch gut von innenpolitischen Problemen ab und eint,
zumindest zu Beginn, ein Volk wie kein anderes Ereignis), durch Ablenkung der Bevölkerung, indem man ihre Grundbedürfnisse befriedigt (beispielsweise mit
panis gegen den Hunger) oder eben
ihre Aufmerksamkeit auf andere Ereignisse und Persönlichkeiten lenkt (womit wir bei den
circenses wären), war auch damals schon bekannt.
Nun ja,
damals ist natürlich schon eine Weile her, wir sind doch mittlerweile zivilisatorisch so viel weiter, diese einfachen Grundprinzipien können doch heute gar nicht mehr so angewandt
werden wie damals.
Wer so denkt, möge doch bitte genau jetzt den Fernseher einschalten, ein wenig zappen und dann noch einmal genau darüber nachsinnen; nun ja, denkt man sich, aber heute wissen wir ja über Populismus
und ähnliches viel besser bescheid als damals, heute ist der normale Mensch viel informierter, die Welt kann sich vor Transparenz kaum retten..
Stimmt schon, aber ich finde es trotzdem erstaunlich, wie einfach sich dieses Muster des "das Volk ruhig haltens" immer wieder applizieren lässt: Da bemängeln täglich hart arbeitetende Kumpel, dass
Manager Millionengehälter für ihre Arbeit kassieren, jubeln aber am selben Abend noch freudentaumelnd ihren großen Fußballhelden zu, die für die sensationelle Fähigkeit, einem Ball hinterherlaufen
und ihn ab und zu durch einen Tritt zu beschleunigen, ähnlich horrende Summen erhalten - daran ist dann, wenn man in den modernen Arenen steht oder sich das Spiel über den Volksverdummer daheim
anschaut, natürlicht nichts mehr auszusetzen; dass es aber jene modernen Sport
Helden sind, die heute die Aufgabe übernehmen, uns vom Alltag mit all seinen Strapazen und unerfreulichen
Zuständen abzulenken, und das sehr erfolgreich, realisieren wohl nur wenige.
Statt des Sports könnte man nun auch die gute alte Flimmerkiste, die ja auch nichts anderes tut, als uns alle gekonnt zu verdummen und mit all ihren Stars und Sternchen eine andere Kategorie der
modernen Helden zum Zeit- und Gedankenvertreib anbietet, und uns mit Schreckensmeldungen aus aller Welt das Herz in die Hose und Schreckensgespinste ins Hirn befördert, anführen; das Grundprinzip
ist das gleiche.
Zugegeben, dieser Artikel ist ein wenig zum Pamphlet ausgeartet, aber man kann einfach nicht oft genug darauf hinweisen, wie sehr doch einfache, altbekannte und vielleicht auch unterschätzte
Mechanismen unser Leben in unterschiedlichster Weise beherrschen; und wie sie letztlich, klug genutzt, eingesetzt werden können, um in eben dieses einzugreifen.
Und genau wenn das geschieht, ist es nötig, sie zu erkennen.