Filme

Sonntag, 9. märz 2008
Zugegeben, ein Eintrag in der Filmsektion pro Tag sollte eigentlich reichen, aber an Reign Over Me komme ich heute einfach nicht vorbei; in den Semesterferien hat - soviel schonmal vorab - kein Film einen vergleichsweise starken Eindruck bei mir hinterlassen.
Und das liegt größtenteils an einem unglaublich überzeugenden Adam Sandler, der als Charlie Fineman fast schon beeindruckt - immerhin sind wir ja Perlen wie Waterboy und Happy Gilmore von ihm gewohnt und erwarten daher, vor allem, wenig, wenn er wieder einmal als Hauptrolle in einem Film auftaucht (dass einen dämliche Filme als Schauspieler immer verfolgen werden ist wohl ein Fluch, über den vermutlich auch Jim Carrey ein Lied zu singen vermag); diesmal allerdings möchte man ihm, so ging es mir zumindest, einen Academy Award hinterherwerfen.
Nun aber kurz zum Inhalt des Films: Alan Johnson, gespielt von Don Cheadle, ist ein nicht unerfolgreicher Zahnarzt, Familienvater, dessen Leben ihm in den Momenten, in denen er es fertig bringt, einmal ehrlich zu sich zu sein, nicht mehr wirklich gefällt - die von ihm gegründete Gemeinschaftspraxis ist seinen Fingern entglitten, was immer wieder zu Streitereien mit seinen Kollegen führt, ihm fehlt es an wirklichen Freunden, ein Zustand, der sich auch in seiner Ehe niederschlägt - unter dem Pantoffel stehend wird er von seiner Frau immer wieder zu Tätigkeiten gezwungen (nun gut, man könnte nun "hm, wer wird das in einer Ehe nicht irgendwann" denken), die ihm sichtlich alles andere als Freude bereiten, woran die eheliche Beziehung - unter anderem - leidet.
Dieser Zahnarzt meint nun eines Tages, seinen alten Studienkollegen Charlie Feynman in einem Rollerfahrer zu erkennen, schafft es aber nicht, ihn auf sich aufmerksam zu machen; einige Tage später ergibt sich allerdings wieder die Gelegenheit, als er Charlie nochmals begegnet - und in dieser ersten Begegnung deutet sich schon die Tragik des von Adam Sandler so verzüglich dargestellten Charakters an: Er erkennt Alan, seinen Zimmergenossen, nicht mehr. Gut, das könnte nun viele Gründe haben, wird man sich wohl denken, allerdings wird man recht schnell in die Hintergründe eingeweiht: Charlies Familie, seine Frau, seine drei Töchter und der ihm eigentlich verhasste Familienpudel, alle waren sie Passagiere in einem der Flugzeuge, die an 9/11 in die Twin Towers flogen, ein Ereignis, das sein Leben nicht nur zerstört sondern auch seine Persönlichkeit (wohl aus Selbstschutzgründen) dazu gezwungen hat, zu vergessen; nun lebt dieser vom Leben geschlagene Mann, gut versorgt durch Versicherungen und das eigene Vermögen, das Leben eines 20jährigen - er fühlt sich an keinen Tagesrythmus gebunden, hat keine Freunde, spielt den ganzen Tag Playstation, hängt Nachts in Clubs als Schlagzeuger und ist dauernd damit beschäftigt seine Küche zu renovieren (den Grund für dieses - zumindest ein wenig - bizarre Verhalten verrät er im Verlauf des Films); all sein Handeln und Tun steht im Zeichen des Vergessens, nur dazu gedacht, ihn abzulenken und nicht zurück zu zwingen in diese Welt, in dem ihm das wohl schlimmste zugestoßen ist, das sich ein Ehemann und Vater vorstellen kann - alles zu verlieren, was man liebt, und allein zurückbleiben zu müssen.
Diesen Charlie Fineman erkennt also nun unser Adam, und er beschließt, seinem besten Freund aus der Studienzeit zu helfen; das gestaltet sich schwieriger als gedacht, da mit seiner Vergangenheit auch einge Grundprinzipien moderner Gesellschaften (z.B. "klingle nicht nachts um 4 bei einem verheirateten Mann" oder "verwüste nicht die Praxis deines Freundes") verloren gegangen sind; aber während all seiner Versuche, den gebrochenen Charlie wieder aufzurichten, findet auch Adam wieder, so möchte man wenigstens meinen, zu sich selbst - und seiner Familie - zurück.
Und schließlich wird - spätestens - am Ende des Films auch noch dem Letzten klar, dass der von Pearl Jam verzapfte titelgebende Song (Let love)Reign Over Me, als mp3 Charlies ständiger Begleiter, sei es als Credo, Wunsch oder Forderung, in so manchem Menschenleben eine größere Rolle spielt, als man meint.
Wenn das mal keine Botschaft ist.
von aeskulap
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Sonntag, 9. märz 2008
So, Zeit, endlich die schon seit Beginn des Blogs vorgesehene, aber streng vernachlässigte Kategorie Film einzuweihen. Und das nicht unwürdig mit dem soeben erstmals von mir gesehenen Superman Returns.
Man kann sich nicht helfen, durch den Titel unwillkürlich an Batman Begins erinnert zu werden, anstatt einer kompletten Neuerschaffung des Helden erlebt der Zuschauer bei Superman Returns ein rares Gut am Himmel der Comicverfilmungen: eine glaubhafte Fortsetzung mit einem zumindest halbwegs glaubhaften Helden.
Und das, obwohl der Superman nun nicht mehr durch Christopher Reeve, sondern einen durchaus würdigen, mir bis dato völlig unbekannten Nachfolger, nämlich Brandon Routh, dargestellt wird - und dass Sequels mit Neubesetzung (diesmal natürlich nicht vermeidbar) recht gern in die Hose gehen, wird einem spätestens beim Rückblick auf die zahlreichen, vollkommen zusammenhangslosen Batmanteile klar, die meiner Meinung nach eh erst mit Christian Bale den Sprung aus dem comichaft übertriebenen in eine halbwegs glaubwürdige, realitätsnähere Darstellung geschafft haben (Batman dient mir hier als Vergleichsobjekt, da mir von anderen Superhelden keine ähnlich lange Filmgeschichte vorliegt).
Allerdings überragt Superman den Fledermausmann in mindestens einem Punkt: Wer die alten Filme noch im Kopf hat glaubt den Übergang zum nahtlos anschließenden neuen Teil - mit etwa 30 jahren Zeitunterschied zwischen dem Debut des ersten Kinofilms und heute schon eine Leistung, die den Film sehenswert macht.
Denn wenn Superman nach 5 Jahren, die er mit der Suche nach Krypton, seinem Heimatplaneten verbracht hat, wiederkehrt und eine veränderte Welt, einen nun freien Lex Luthor (von dem später noch die Rede sein wird), und - viel schlimmer und wichtiger - eine verlobte Lois Lane (gespielt von Kate Bosworth), die auch noch einen 5jährigen Sohn und den in früheren Teilen so ersehnten Pulitzer (mit dem schönen Artikel "Why the world doesn't need Superman") gewonnen hat, hat der liebe Herr Kent so einige Probleme, sich wieder in die Welt des Daily Planet einzufinden (wieso arbeiten Superhelden eigentlic so oft als Reporter?). Das wäre natürlich alles weniger lustig, wenn sich nicht sein Erzfeind Luthor dem Wissen seiner Vorfahren bemächtigt und einen natürlich höchst gemeinen Plan ausgedacht hätte und die alte Liebesgeschichte mit Lois wieder entzündet würde - soviel zur Handlung, nun gleich weiter zu den Dingen, die an Superman schon immer genervt haben und die es auch in diesem Teil tun.
Zum einen ist da Supermans Beziehung zu Lois; das heimliche um-sie-herumgestehle und -gestalke als Clark Kent, den man - da er geschickt getarnt Brille und den Scheitel auf der anderen Seite trägt - natürlich nicht als Superman erkennt, das nun durch ihre bevorstehende Heirat nur noch unangenehmer für biede (und den Zuschauer) wird.
Dann ist Lex Luthor, obwohl von einem brillant saloppen Kevin Spacey gespielt (vermutlcih kann nur dieser Mann dermaßen gelangweilt über das Töten von Milliarden Menschen reden und Gene Hackmanns Nachfolge dementsprechend würdig antreten), wieder einmal nicht aufgrund wirrer oder nicht durchführbarer Ideen zum Scheitern verurteilt, oder gar durch Supermans Überlegenheit - nein, wieder einmal wird das Scheitern des Bösewichts durch die Auswahl sichtlich unfähiger Gehilfen bedingt.
Außerdem wird einem in der Zeit der Computeranimation von Marvel-Superhelden, die alle in ihren Fähigkeiten recht beschränkt sind, wieder einmal klar, dass Superman ein schon älteres Hirngespinst darstellt und daher mit einigen (logisch zwar begründbaren, aber doch etwas unglaubwürdigen) voneinander abweichenden Fähigkeiten bestückt ist - zum einen ist er stark, dann gibt es den Röntgenblick, den Laserblick, die Superpuste, den Supereisatem, außerdem kann er natürlich fliegen, braucht keine Atemluft; hätte man sich nicht das Kryptonit ausgedacht, würde diese gefühlte Unschlagbarkeit sehr, sehr langweilen.
In Verbiindung mit Supermans Stärkte stört übrigens auch ein andere Phänomen - er guckt beim Heben eines Flugzeugs ähnlich angestrengt wie beim Stemmen einer ganzen Insel; also bitte, da sollten doch irgendwo auch für einen Supermann mit Superkräften Relationen herrschen.
Nun könnte man sich fragen, warum man sich, nach all dem Negativen, den Film überhaupt anschauen sollte - ganz einfach: Superman wirkt mindestens dreimal überzeugender als die Fantastic Four, Spiderman und die Xmen zusammen. Nicht nur wird er von einem fast schon herausragend in diese Rolle passenden Brandon Rough gespielt, der vermutlich das ein oder andere Herz höher schlagen lässt und auf dessen Seite sich der Zuschaueer fast sofort schlägt, sondern auch die Special Effects sind imposant, passen zum Konzept des Superman und wirken, mit Ausnahme weniger Flugszenen, die deutlich als animiert erkennbar sind, rund und verhältnismäßig glaubhaft.
Ist Superman Returns also zu empfehlen? Nun ja, sagen wir es einmal so: Lässt man sich von gefühlten Parallelen zu religiösen Heilslehren und einer zumindest in ihrem Ende total vorhersehbaren Story nicht abschrecken, interessiert sich für die weitere Supermangeschichte oder mag endlich einmal einen Helden sehen, mit dem man fast bedingungslos sympathisieren kann, dann darf man sich den Film gern ausleihen und wird sich danach sicher nicht ärgern.
von aeskulap
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