Freitag, 4. april 2008
Die Etüde ist seit jeher der Feind eines jeden Instrumentalisten - nicht, dass diese Stücke langweilig, anspruchslos oder gar nicht wohlklingend wären, aber gerade beim Einstudieren von Etüden wird
einem klar: ein Instrument spielen, das ist vor allem eines - harte Arbeit.
Aber was ist das eigentlich nun genau, eine Etüde. Die Francophilen unter uns werden das Wort etudier, das auf französisch soviel wie lernen, studieren bedeutet, erkennen und sich daraus auch die Bedeutung zusammen reimen können, dass es sich also um Stücke handelt, bei deinen man etwas lernen soll.
Viel mehr waren die Etüden zu Beginn auch nicht, simple, kleine Stücke, die - meist bar aller eigenschaften, die Musik in irgendeiner Weise interessant machen können - dem stupiden Erlernen und Bewältigen spezifischer technischer Probleme dienten (derartige Übungen gibt es natürlich auch heute noch, hier sei auf Hanon und Dohnyanyi verwiesen).
Dann allerdings trat, zumindest für den Bereich Klavier, um den es hier (ich betone es noch einmal) ausschließlich geht, Carl Czerny auf den Plan: Dieser Meisterschüler Beethovens begründete mit seiner Klavierschule, einem für damalige Verhältnisse unheimlich umfassenden Werk, die moderene Klaviermethodik- und Didaktik - das zeigt sich schon darin, dass kaum ein Klavierschüler umhin kommt, sich seinen Studien wenigstens einmal zu widmen (eine der Ausnahmen schreibt gerade diesen Artikel); nicht ganz so bedeutend, aber erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang auch Hummel, den einige sicher vom gleichnamigen Flug kennen werden.
Bei Czerny lassen sich schon starke Fortschritte bezüglich der Melodik der Übungen feststellen, aber Musik wäre nicht Musik, wenn sie sich nicht beständig weiter entwickeln würde, und wie in der Literatur wird die Klassik von einer Epoche gefolgt, die neben der Form auch den starken Ausdruck sucht - der Romantik.
Die Romantik ist, mit der finalen Entwicklung des Hammerklaviers, also des Pianoforte, das wir heute auch noch kennen (auch wenn darauf noch einige Generationen folgten, in denen vor allem die Klanggewalt und -Fülle zugenommen hat), die Epoche der großen Klaviervirtuosen - alle Möglichkeiten, die das Instrument bietet, werden ausgeschöpft, und während andere Formen wie Sonate, Intermezzi, Fugen sich weiterentwickeln, so wird auch die Etüde erwachsen - und zwar konzertant.
Der Schritt vom Übungszimmer auf die Konzertbühne ist ein großer, auch für die Komponisten und Pianisten, denn nun zählt mehr denn je die Technik, Virtuosität kann und will endlich eindrucksvoll gezeigt werden; vermutlich war das ein großer Schritt, der den Standard der Berufsklavierspieler deutlich angehoben hat.
Den Anfang nahm das Ganze mit Chopin, dessen zwei Etüdenzyklen auch heute noch die Spreu vom Weizen trennen; kaum ein Wettbewerb, in dem man nicht als Pflicht zumindest eines der Stücke vorbereiten muss, kaum ein Studium, in dem nicht an irgendeinem Punkt jene Stücke geprüft werden. Die Besonders bekannten darunter wurden mit der Zeit mit Namen versehen, so die Revolutionsetüde für die linke Hand Op.10 Nr. 12, die Tristesse Op. 10 Nr. 3, die auch eine traurige Verballhornung durch den deutschen Schlager erfuhr; mein persönlicher Favorit ist allerdings Op. 25. Nr. 11, die sich den Beinamen Winterwind eingefangen hat; dass die Chopinetuden aber, auch wenn sie auch als Unterrichtsliteratur weit verbreitet sind,
ihren Anspruch nicht verloren haben, sieht man beispielsweise daran, dass selbst etablierte Pianisten wie Horowitz einzelne Etüden nie auf Konzerten gespielt haben (Horowitz erschien Op. 10 Nr. 2 im Originaltempo
unmöglich zu spielen).
Hier soll schon einmal erwähnt werden, dass die Chopinetuden später von Godowsky noch einmal arrangiert wurden, was in, gelinde gesagt, absolut verrückten Studien endete, die für den normalen Hobbypianisten unter "unspielbar" abzulegen sind.
Wo Chopin allerdings anfängt, da macht - bekanntermaßen - Liszt weiter, und so verwundert es nicht, dass eben jener den Anspruch noch einmal steigerte und selbst auch Etüden schrieb. Die am häufigsten in Konzerten anzutreffenden darunter sind die Paganini Etüden, eine ausgezeichnete Interpretation der zweiten findet sich hier.
Sieht man von Unterschieden in Melodik, Ausdruck und technischer Anforderung ab, so fällt beim Spiel dieser Stücke vor allem eines auf - Chopin liegt, so schwierig und unspielbar die Stücke auch zu Beginn (und, das sagt nun meine wenige Erfahrung, das tun sie auch am Ende noch) wirken, so liegen sie doch wenigstens noch halbwegs in der Hand; man erkennt ein wenig den Unterschied zwichen dem Konzertpianisten Chopin und dem Virtuosen Techniker Liszt.
Was Liszt allerdings besonders auszeichnet (und da sieht man eine parallele zu Czerny) ist die Menge an Schülern, die er ausgebildet hat; denn was nützt die virtuoseste Technik, wenn das Wissen um sie nicht weitergegeben wird. Die Kreise der Lisztschen Schule ziehen sich auch heute noch weit hinein in die Welt der Konzertpianisten, und die modernen Standards wären ohne sie wohl ein wenig niedriger angesetzt.
Den Lisztetüden folgten dann, chronologisch nun nicht ganz korrekt, die Studien von Brahms, die weniger melodisch ausfielen, die sinfonischen Etüden von Schumann, die eher wie ein Variationszyklus anmuten und von der ursprünglichen Definition der Technikstudien schon weit abgerückt sind, die Etüden von Debussy, Rachmaninoff und auch Scriabin.
Besonders Scriabins Etüden wirken, technisch immernoch hoch anspruchsvoll, dieses Eindrucks kann ich mich jedenfalls zur Zeit nich erwehren, wie eine Abkehr vom virtuosen Brillieren zurück zum Charakterstück; natürlcih gibt es auch hier herausragende, sichtbar virtuose Stücke, zum Beispiel Opus 8 Nr 12., aber selbst hier erkennt man den tiefen Ausdruck, auf dem Scriabins Hauptaugenmerk zu liegen scheint..
Wir nähern uns dem Ende dieses Artikels, alles, was zu tun bleibt, ist, einen Blick auf die Moderne und die Zukunft der Etüden zu werfen.
Auch heute noch, man mag es nicht glauben, werden Etüden geschrieben (z.B. von Ligeti), das liegt nicht zuletzt daran, dass die moderne Musik, die ja seit dem Ende der Romantik einges an Entwicklung hinter sich gebracht hat, z.B. den Avantgardismus, die Neotonalität etc., den Pianisten immernoch vor neue Probleme stellt, und wohl auch in Zukunft vor neue Probleme stellen wird, die gemeistert werden wollen; außerdem suchen immer neue Generationen immer virtuoserer Pianisten ständig nach neuen Herausforderungen.
Ob aber moderne Kompositionen jemals auch nur ansatzweise die Popularität der oben genannten Etüden erreichen werden, nunja - das bleibt fraglich.
Aber was ist das eigentlich nun genau, eine Etüde. Die Francophilen unter uns werden das Wort etudier, das auf französisch soviel wie lernen, studieren bedeutet, erkennen und sich daraus auch die Bedeutung zusammen reimen können, dass es sich also um Stücke handelt, bei deinen man etwas lernen soll.
Viel mehr waren die Etüden zu Beginn auch nicht, simple, kleine Stücke, die - meist bar aller eigenschaften, die Musik in irgendeiner Weise interessant machen können - dem stupiden Erlernen und Bewältigen spezifischer technischer Probleme dienten (derartige Übungen gibt es natürlich auch heute noch, hier sei auf Hanon und Dohnyanyi verwiesen).
Dann allerdings trat, zumindest für den Bereich Klavier, um den es hier (ich betone es noch einmal) ausschließlich geht, Carl Czerny auf den Plan: Dieser Meisterschüler Beethovens begründete mit seiner Klavierschule, einem für damalige Verhältnisse unheimlich umfassenden Werk, die moderene Klaviermethodik- und Didaktik - das zeigt sich schon darin, dass kaum ein Klavierschüler umhin kommt, sich seinen Studien wenigstens einmal zu widmen (eine der Ausnahmen schreibt gerade diesen Artikel); nicht ganz so bedeutend, aber erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang auch Hummel, den einige sicher vom gleichnamigen Flug kennen werden.
Bei Czerny lassen sich schon starke Fortschritte bezüglich der Melodik der Übungen feststellen, aber Musik wäre nicht Musik, wenn sie sich nicht beständig weiter entwickeln würde, und wie in der Literatur wird die Klassik von einer Epoche gefolgt, die neben der Form auch den starken Ausdruck sucht - der Romantik.
Die Romantik ist, mit der finalen Entwicklung des Hammerklaviers, also des Pianoforte, das wir heute auch noch kennen (auch wenn darauf noch einige Generationen folgten, in denen vor allem die Klanggewalt und -Fülle zugenommen hat), die Epoche der großen Klaviervirtuosen - alle Möglichkeiten, die das Instrument bietet, werden ausgeschöpft, und während andere Formen wie Sonate, Intermezzi, Fugen sich weiterentwickeln, so wird auch die Etüde erwachsen - und zwar konzertant.
Der Schritt vom Übungszimmer auf die Konzertbühne ist ein großer, auch für die Komponisten und Pianisten, denn nun zählt mehr denn je die Technik, Virtuosität kann und will endlich eindrucksvoll gezeigt werden; vermutlich war das ein großer Schritt, der den Standard der Berufsklavierspieler deutlich angehoben hat.
Den Anfang nahm das Ganze mit Chopin, dessen zwei Etüdenzyklen auch heute noch die Spreu vom Weizen trennen; kaum ein Wettbewerb, in dem man nicht als Pflicht zumindest eines der Stücke vorbereiten muss, kaum ein Studium, in dem nicht an irgendeinem Punkt jene Stücke geprüft werden. Die Besonders bekannten darunter wurden mit der Zeit mit Namen versehen, so die Revolutionsetüde für die linke Hand Op.10 Nr. 12, die Tristesse Op. 10 Nr. 3, die auch eine traurige Verballhornung durch den deutschen Schlager erfuhr; mein persönlicher Favorit ist allerdings Op. 25. Nr. 11, die sich den Beinamen Winterwind eingefangen hat; dass die Chopinetuden aber, auch wenn sie auch als Unterrichtsliteratur weit verbreitet sind,
ihren Anspruch nicht verloren haben, sieht man beispielsweise daran, dass selbst etablierte Pianisten wie Horowitz einzelne Etüden nie auf Konzerten gespielt haben (Horowitz erschien Op. 10 Nr. 2 im Originaltempo
unmöglich zu spielen).
Hier soll schon einmal erwähnt werden, dass die Chopinetuden später von Godowsky noch einmal arrangiert wurden, was in, gelinde gesagt, absolut verrückten Studien endete, die für den normalen Hobbypianisten unter "unspielbar" abzulegen sind.
Wo Chopin allerdings anfängt, da macht - bekanntermaßen - Liszt weiter, und so verwundert es nicht, dass eben jener den Anspruch noch einmal steigerte und selbst auch Etüden schrieb. Die am häufigsten in Konzerten anzutreffenden darunter sind die Paganini Etüden, eine ausgezeichnete Interpretation der zweiten findet sich hier.
Sieht man von Unterschieden in Melodik, Ausdruck und technischer Anforderung ab, so fällt beim Spiel dieser Stücke vor allem eines auf - Chopin liegt, so schwierig und unspielbar die Stücke auch zu Beginn (und, das sagt nun meine wenige Erfahrung, das tun sie auch am Ende noch) wirken, so liegen sie doch wenigstens noch halbwegs in der Hand; man erkennt ein wenig den Unterschied zwichen dem Konzertpianisten Chopin und dem Virtuosen Techniker Liszt.
Was Liszt allerdings besonders auszeichnet (und da sieht man eine parallele zu Czerny) ist die Menge an Schülern, die er ausgebildet hat; denn was nützt die virtuoseste Technik, wenn das Wissen um sie nicht weitergegeben wird. Die Kreise der Lisztschen Schule ziehen sich auch heute noch weit hinein in die Welt der Konzertpianisten, und die modernen Standards wären ohne sie wohl ein wenig niedriger angesetzt.
Den Lisztetüden folgten dann, chronologisch nun nicht ganz korrekt, die Studien von Brahms, die weniger melodisch ausfielen, die sinfonischen Etüden von Schumann, die eher wie ein Variationszyklus anmuten und von der ursprünglichen Definition der Technikstudien schon weit abgerückt sind, die Etüden von Debussy, Rachmaninoff und auch Scriabin.
Besonders Scriabins Etüden wirken, technisch immernoch hoch anspruchsvoll, dieses Eindrucks kann ich mich jedenfalls zur Zeit nich erwehren, wie eine Abkehr vom virtuosen Brillieren zurück zum Charakterstück; natürlcih gibt es auch hier herausragende, sichtbar virtuose Stücke, zum Beispiel Opus 8 Nr 12., aber selbst hier erkennt man den tiefen Ausdruck, auf dem Scriabins Hauptaugenmerk zu liegen scheint..
Wir nähern uns dem Ende dieses Artikels, alles, was zu tun bleibt, ist, einen Blick auf die Moderne und die Zukunft der Etüden zu werfen.
Auch heute noch, man mag es nicht glauben, werden Etüden geschrieben (z.B. von Ligeti), das liegt nicht zuletzt daran, dass die moderne Musik, die ja seit dem Ende der Romantik einges an Entwicklung hinter sich gebracht hat, z.B. den Avantgardismus, die Neotonalität etc., den Pianisten immernoch vor neue Probleme stellt, und wohl auch in Zukunft vor neue Probleme stellen wird, die gemeistert werden wollen; außerdem suchen immer neue Generationen immer virtuoserer Pianisten ständig nach neuen Herausforderungen.
Ob aber moderne Kompositionen jemals auch nur ansatzweise die Popularität der oben genannten Etüden erreichen werden, nunja - das bleibt fraglich.
